Nüwa und Fuxi: Das erste Paar mit Schlangenkörpern, Zirkel und Winkelmaß sowie Eden

Kurzfassung
- Nüwa und Fuxi sind Chinas erstes Paar: von der Taille aufwärts Menschen, darunter Schlangen, deren Schwänze miteinander verschlungen sind. Die Grabkunst der Han-Zeit (1. Jahrhundert v. u. Z.–3. Jahrhundert u. Z.) prägte das Bild; Seidenmalereien aus Turfan aus der Tang-Zeit trugen es bis an den Rand der Taklamakan.
- Sie hält einen Zirkel, er ein Winkelmaß. Mit den Werkzeugen werden ein runder Himmel und eine quadratische Erde gezeichnet; das gemeinsame Wort für sie, guiju, bedeutet „Regeln“.
- Nüwas eigene Mythen sind älter als das Bild des Paares: Sie erschafft Menschen aus gelber Erde, flickt einen zerbrochenen Himmel, hält eine Flut auf und begründet die Ehe. Die Geschichte von der Geschwisterehe stammt aus einer südchinesischen Flut- und Kürbistradition.
- Neben Eden wirkt Nüwa wie Eva und die Schlange, zu einer einzigen Gestalt verschmolzen. Schlangenleibige Ahnen, die Völker oder die Ehe begründen, gibt es auch bei den Griechen, den Skythen und den Khmer.
- Zirkel und Winkelmaß sind eine chinesische Schöpfung, die sich nach Westen verbreitete. Das Bündel aus Frau, Schlange und ersten Eltern lässt sich besser durch alte eurasische Überlieferung als durch Zufall erklären.
- Auch außerhalb Eurasiens bleibt die Schlange in derselben Gesellschaft: In Mexiko, Guatemala, Dahomey und Australien erschafft sie die ersten Menschen oder ist deren Mutter; im Gilgamesch-Epos bewacht sie die Pflanze des Lebens, und sie steht Initiationsriten vor. Fast jedes erste Paar in den alten Literaturen ist miteinander verwandt, so wie Nüwa und Fuxi.
Irgendwann im 7. Jahrhundert bestattete eine Familie in Gaochang, dem Oasenkönigreich nahe dem heutigen Turfan, ein Familienmitglied auf dem Friedhof von Astana und nagelte ein bemaltes Tuch an die Decke des Grabes. Es war nach unten gerichtet, den Toten zugewandt. Darauf stehen ein Mann und eine Frau Schulter an Schulter, jeder mit einem Arm um die Taille des anderen. Unterhalb der Taille werden ihre Körper zu Schlangen, und ihre beiden Schwänze winden sich in einer engen Spirale umeinander. Er hebt ein Winkelmaß, sie einen Zirkel. Über ihren Köpfen strahlt eine Sonne, unter ihren Windungen hängt ein Mond; über den übrigen Stoff sind Sterne verteilt, die Linien zu Sternbildern verbinden. Dutzende solcher Malereien sind in Astana ans Licht gekommen. Eine, die 1965 ausgegraben wurde, befindet sich heute im Museum der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang, die Nagellöcher an ihren Rändern sind noch zu sehen. Eine andere, die von den Ōtani-Expeditionen gesammelt wurde, befindet sich im Nationalmuseum von Korea.
Das Paar sind Fuxi (伏羲) und Nüwa (女媧). Als diese Tücher bemalt wurden, war ihr Bild bereits etwa siebenhundert Jahre alt. Dieser Artikel zeichnet nach, wie das Bild entstand: von einem rätselhaften Körper in einem Rätsel aus der Zeit der Streitenden Reiche bis zu einem kosmischen Paar in Gräbern der Han-Zeit. Anschließend stellt er die vergleichende Frage, die Nüwa begleitet, seit Jesuitenmissionare zum ersten Mal von ihr lasen: Warum ähnelt Chinas erstes Paar so sehr einer Frau, einem Mann und einer Schlange am Anfang der Genesis?
Ein Körper, der einer Erklärung bedurfte #
Die älteste Erwähnung Nüwas ist eine Frage. Im Tianwen („Himmlische Fragen“), einem Chu-Gedicht aus der späten Zeit der Streitenden Reiche, fragt der Dichter: 女媧有體,孰制匠之? „Nüwa hatte einen Körper; wer formte ihn?“ (Tianwen). Die Zeile setzt voraus, dass die Zuhörer zwei Dinge wissen: Nüwa erschuf Körper, und ihr eigener Körper war außergewöhnlich. Wie dieser Körper aussah, sagt sie nicht. Die berühmte Antwort findet sich im Kommentar. Wang Yi, der im 2. Jahrhundert u. Z. das Chuci herausgab, erläuterte die Zeile so: Nüwa habe „einen menschlichen Kopf und einen Schlangenkörper gehabt und sich an einem Tag siebzigmal verwandelt“.1
Danach stimmen die Beschreibungen überein. Guo Pu nennt Nüwa in seinem Kommentar zum Shanhaijing aus dem 4. Jahrhundert „eine göttliche Frau der Vorzeit, die eine Herrscherin war, mit menschlichem Gesicht und Schlangenkörper“. Huangfu Mis Diwang shiji aus dem 3. Jahrhundert u. Z. sagt, sie habe „die Institutionen des Fuxi übernommen“ und sei ebenfalls „schlangenkörperig und menschköpfig“ gewesen (zitiert in Taiping yulan 78). Wang Yanshous Rhapsodie aus der Östlichen Han-Zeit über die Halle des Numinosen Lichts in Lu beschreibt die Wandmalereien der Halle mit jeweils vier Zeichen pro Figur: 伏羲鱗身,女媧蛇軀 „Fuxi, schuppenkörperig; Nüwa, schlangenleibig.“ Das Shuowen jiezi (um 100 u. Z.) definiert das Schriftzeichen wa in ihrem Namen als „eine göttliche und weise Frau der Vorzeit, die die Myriaden Dinge verwandelte“ (Shuowen).
Der Schlangenkörper gehört also zunächst Nüwa. Fuxi erhält seine Schuppen als ihr Gefährte.
Was Nüwa tut #
Drei Mythen begründen Nüwas Stellung, und jeder macht sie zu einer Schöpferin der menschlichen Welt, nicht zu einem Naturgeist.
Sie erschafft Menschen. Ein Fragment aus Yingshaos Fengsu tongyi (um 195 u. Z.), das im Taiping yulan überliefert ist, berichtet eine verbreitete Erzählung: „Als Himmel und Erde sich zum ersten Mal öffneten, gab es noch keine Menschen. Nüwa knetete gelbe Erde und erschuf Menschen.“ Die Arbeit war mühsam, also zog sie einen Strick durch den Schlamm und schleuderte ihn; jeder Tropfen wurde zu einem Menschen. „Daher sind die Reichen und Vornehmen Menschen aus gelber Erde, die Armen und Geringen Menschen vom Strick.“2 Dieselbe Überlieferung berichtet, dass sie in den Schreinen der Götter betete, um zur göttlichen Vermittlerin zu werden und die Ehe einzuführen. Die Geschichte erklärt gemeinsam den sozialen Rang und die Ordnung der Ehe: Nüwa erschafft den menschlichen Körper und die Institution, die ihn fortbestehen lässt.
Sie setzt die Welt wieder instand. Das Huainanzi (139 v. u. Z.) schildert die Lage: „In der fernen Vorzeit stürzten die vier Pole ein, und die Neun Provinzen klafften auf. Der Himmel bedeckte nicht mehr alles, die Erde trug nicht mehr alles. Feuer wüteten und erloschen nicht; Wasser schwoll an und ließ nicht nach.“ Nüwa „schmolz Steine in fünf Farben, um den blauen Himmel auszubessern, hieb die Beine der großen Schildkröte ab, um die vier Pole aufzurichten, tötete den schwarzen Drachen, um Jizhou zu retten, und häufte Schilfasche auf, um die Fluten aufzuhalten“ (Huainanzi, „Lanming“). Dies ist eine zweite Schöpfung. Die Welt existierte bereits und war auseinandergebrochen; eine Frau baute sie mit handwerklichem Können wieder auf: durch Schmelzen, Abstützen, Töten und Aufstauen. Die Deutung dieses Mythos als Erinnerung an das Ende der Eiszeit auf dieser Website nimmt hier ihren Ausgang.
Sie begründet eine Abstammungslinie. In Listen der Drei Erhabenen stellen Historiker der Han-Zeit und späterer Epochen Nüwa neben Fuxi und Shennong als Herrscherin am Anfang der Geschichte. Chinesische Archäologen sind noch weiter zurückgegangen. Seit den 1980er-Jahren bringen sie Nüwa mit dem Göttinnentempel in Niuheliang, einer Hongshan-Stätte aus dem 4. Jahrtausend v. u. Z. in Verbindung, wo neben Altären und Steinhügeln ein lebensgroßes Tonantlitz mit eingelegten Jadeaugen gefunden wurde.
Fuxi und die Entstehung eines Paares #
Fuxis frühe Laufbahn verlief unabhängig von Nüwas. Im „Großen Kommentar“ des Yijing wird Bao Xi (Fuxi) zugeschrieben, die Muster des Himmels betrachtet und die Formen der Erde beobachtet zu haben; anschließend habe er die acht Trigramme gezeichnet und Schnüre zu Netzen geknüpft. In der Han-Zeit wurde er zum ersten der Erhabenen, zum Erfinder der Vorläufer der Schrift und zum Ahnherrn der Ritualordnung.
Er erscheint überraschend früh mit einer Ehefrau. Das Chu-Seidenmanuskript, das aus einem Grab in Zidanku nahe Changsha geraubt wurde und auf etwa 300 v. u. Z. datiert wird, beginnt seine Kosmogonie mit Bao Xi, der eine Frau namens Nü Tian (oder Nü Huang) heiratet. Sie gebiert vier Kinder, die den Lauf der Jahreszeiten in Gang setzen und den Kalender festlegen (Li und Cook 1999). Ob Nü Tian ein anderer Name für Nüwa ist, wird noch immer diskutiert. So oder so war im selben südlichen Königreich, aus dem das Tianwen stammt, eine Schöpfungsgeschichte über Fuxi und seine Frau im Umlauf.
Der Han-Hof und die Han-Gräber vereinten die beiden schließlich. Auf der Westwand des Wu-Liang-Schreins in Jiaxiang, Shandong (151 u. Z.), hält ein gekrönter Fuxi ein Winkelmaß; neben ihm steht Nüwa mit zu einem Knoten frisiertem Haar. Ihre Schlangenschwänze sind miteinander verknotet. Die Inschrift lautet: „Fuxi, Essenz von Cang, begründete als Erster die Königsherrschaft; er zeichnete die Trigramme und knüpfte Schnüre, um alles innerhalb der Meere zu regieren.“ Die maßgebliche Studie ist Wu Hungs The Wu Liang Shrine (1989).
Die Grabdarstellungen #
Das Bild nahm über etwa drei Jahrhunderte in der Grabkunst Gestalt an. Für die Frage nach der Verbreitung ist die Chronologie wichtig; es lohnt sich daher, sie darzulegen.
| Phase | Beispiel | Dargestellte Elemente |
|---|---|---|
| Westliche Han-Zeit, 2. Jh. v. u. Z. | Banner aus Grab 1 von Mawangdui (um 160 v. u. Z.) | Eine schlangenschwänzige Gestalt ganz oben am Himmel; unterschiedlich als Nüwa, Zhulong oder Verstorbener identifiziert. Keine Werkzeuge |
| Späte Westliche Han-Zeit, 1. Jh. v. u. Z. | Grab des Bu Qianqiu, Luoyang | Fuxi mit der Sonne, Nüwa mit dem Mond; beide schlangenleibig und flankieren den Aufstieg des verstorbenen Paares (Google Arts & Culture) |
| Östliche Han-Zeit, 1.–2. Jh. u. Z. | Reliefs und Steinsarkophage aus Shandong, Henan (Nanyang) und Sichuan | Verschlungene Schwänze; Sonnen- und Mondscheiben; Zirkel und Winkelmaß; eine zentrale dritte Gottheit in „Triaden“-Szenen |
| Wei–Jin, 3.–4. Jh. | Wandmalereigräber im Hexi-Korridor, Gansu | Paar nach dem Vorbild aus Shandong, an die westliche Grenze getragen |
| Gaochang und Tang-Zeit, 6.–8. Jh. | Astana, Turfan | Deckentücher aus Seide und Hanf: Umarmung, spiralförmig verschlungene Schwänze, Zirkel und Winkelmaß, Sonne, Mond, Sterne |
Einige Punkte aus dieser Abfolge sind hervorzuheben.
Das Schlangenpaar kommt vor den Werkzeugen. In den frühesten Paarbildern tragen Fuxi und Nüwa Sonne und Mond. Zirkel und Winkelmaß werden in der Östlichen Han-Zeit verbreitet, besonders in Shandong, Henan und Sichuan. Auch wer welches Werkzeug hält, variiert. Auf vielen Reliefs hält Fuxi das Winkelmaß und Nüwa den Zirkel, doch Beispiele mit vertauschten Werkzeugen oder nur einem Werkzeug sind so häufig, dass die Zuordnung eindeutig noch nicht festgelegt war. In Astana wurde sie zur Norm: Er hält das Winkelmaß, sie den Zirkel.
Das Paar war selten allein. Yanlong Guo hat die Han-zeitlichen „Triaden“ untersucht, in denen eine große zentrale Figur die beiden schlangenleibigen Gottheiten umfasst oder zwischen ihnen steht. Er zeigt, dass Fuxi und Nüwa den beständigen Teil der Komposition bilden und stets an ihren Mischgestalten und Attributen (Sonne und Mond, Zirkel und Winkelmaß, Pilz der Unsterblichkeit) zu erkennen sind. Es ist die Identität der zentralen Figur, die wechselt. Guo identifiziert sie als den Großen Einen, Taiyi (Archives of Asian Art 71, 2021). In der Han-zeitlichen Bestattungsreligion umrahmte das Paar den Kosmos und hielt ihn im Auftrag der Toten in Gang.
Das Bild verbreitete sich vom chinesischen Kernland nach Westen. Nataša Vampelj Suhadolnik hat gezeigt, dass die Fuxi-Nüwa-Wandmalereien der Wei-Jin-Gräber in Gansu dem regionalen Vorbild aus Shandong folgen (Asian Studies 7.2, 2019). Die Tücher aus Astana setzen diese Linie fort. Das ist wichtig, weil Turfan manchmal als Beleg dafür angeführt wird, dass das Bild über die Seidenstraße nach China gelangte. Die archäologischen Funde zeigen das Gegenteil: Ein Bild aus der Bestattungskunst der Han-Zeit verbreitete sich mit chinesischen Siedlern und Beamten nach außen.
Warum Zirkel und Winkelmaß? #
Die Werkzeuge sind eine kosmologische Aussage. Das Zhoubi suanjing, ein mathematischer und astronomischer Text aus der Han-Zeit, sagt: „Das Winkelmaß gehört zur Erde, der Kreis zum Himmel; der Himmel ist rund und die Erde quadratisch“ (Zhoubi suanjing). Der Zirkel (gui 規) zeichnet den Himmel, das Winkelmaß (ju 矩) steckt die Erde ab, und die beiden Wörter zusammen, guiju 規矩, bedeuten bis heute „Regeln“ oder „angemessenes Verhalten“. Wenn das erste Paar sie unter Sonne und Mond hält, sagt das Bild aus, dass die Welt vermessen, in Winkel gefasst und begrenzt ist und dass dasselbe Paar, das die menschliche Linie begründete, auch ihre Maßstäbe setzte.
Die Ähnlichkeit mit dem freimaurerischen Winkelmaß und Zirkel ist real, es gibt jedoch keinen historischen Zusammenhang. Beide entstammen dem Werkzeugkasten der Baumeister, und jede Kultur, die mit Geometrie baut, kann diese Werkzeuge zu Sinnbildern moralischer Ordnung machen. Die Übersicht über das Symbol von Winkelmaß und Zirkel auf dieser Website verfolgt die westliche Entwicklung im Detail. Für das chinesische Paar sind die Werkzeuge der unverwechselbarste lokale Bestandteil des Bildes und zugleich der Teil, der am wenigsten wahrscheinlich übernommen wurde.
Flut, Kürbis und Geschwisterehe #
Die Han-Kunst zeigt Fuxi und Nüwa als Paar. Die Tang-Literatur sagt, um welche Art von Paar es sich handelte. Li Rongs Duyizhi (9. Jahrhundert) überliefert: „Vor langer Zeit, als das Universum sich zum ersten Mal öffnete, gab es nur Nüwa und ihren Bruder auf dem Berg Kunlun und sonst nirgends unter dem Himmel Menschen.“ Sie erwogen, Mann und Frau zu werden, schämten sich aber. Also stiegen sie auf den Berg und entzündeten jeder ein Feuer: „Wenn der Himmel uns bestimmt, Mann und Frau zu werden, soll sich der Rauch vereinen; wenn nicht, soll er sich zerstreuen.“ Der Rauch vereinte sich. Derselbe Text berichtet, Nüwa habe dann Gras zu einem Fächer geflochten, um ihr Gesicht zu verbergen; dies gilt als Ursprung des Brautfächers (Duyizhi).
Die schriftliche Fassung ist spät, doch die Geschichte selbst ist viel älter und weit verbreitet. In den 1930er-Jahren sammelte der Ethnologe Ruey Yih-fu (芮逸夫) Fluterzählungen der Miao im westlichen Hunan und zeigte, dass sie dieselbe Geschichte erzählten: Eine Flut ertränkt die Welt, ein Bruder und eine Schwester überleben in einem riesigen Kürbis, sie erproben den Willen des Himmels (indem sie Mühlsteine den Berg hinabrollen lassen, die nebeneinander zum Liegen kommen, oder einander um einen Baum oder Berg jagen) und heiraten. Ihr erstes Kind ist oft ein Fleischklumpen oder ein Kürbis. Sie zerschneiden ihn, und aus den Stücken werden die Völker der Erde.3 Der Dichter und Gelehrte Wen Yiduo führte den Gedankengang in seinem Essay „Fuxi kao“ („Über Fuxi“) weiter. Er brachte die Namen Fuxi und Paoxi mit pao 匏, dem Flaschenkürbis, in Verbindung und deutete das Paar als personifizierte Kürbisse, als Gefäß, das den Samen der Menschheit bewahrt.4 Varianten der Erzählung von den Geschwistern, der Flut und dem Kürbis werden von Yao, Zhuang, Yi und anderen Völkern in Südchina und bis ins kontinentale Südostasien hinein erzählt (Yang, An und Turner 2005).
In Japan ist ein weiterer Zweig überliefert. Im Kojiki umkreisen die Geschwistergottheiten Izanagi und Izanami den himmlischen Pfeiler in entgegengesetzter Richtung, begegnen einander und heiraten. Ihr erstes Kind, Hiruko, wird missgebildet geboren („Blutegelkinder“) und ausgesetzt. Der Umkreisungsritus, die missglückte erste Geburt und der korrigierte zweite Versuch weisen enge Parallelen zum kontinentalen Geschwister-Flut-Erzählzyklus auf.
Die Flut-und-Kürbis-Version hat demnach eine klare Verbreitungsregion: Südchina, die Tai- und austroasiatischen Kulturräume sowie den japanischen Archipel. Sie ist die unmittelbare Quelle der chinesischen Geschwisterehe. Als sich dieser südliche Erzählzyklus mit Nüwa und Fuxi verband, wurden aus dem kosmischen Paar der Han-Zeit zugleich Überlebende der Flut und erste Eltern.
Erste Paare, die miteinander verwandt sind #
Das Problem, das die Kürbisgeschwister lösen, ist älter und weiter verbreitet als Südchina. Wenn die Menschheit von einem einzigen Paar abstammt, sind dieses Paar und seine Kinder miteinander verwandt; die ältesten Literaturen Eurasiens sagen das offen. Stith Thompsons Motif-Index of Folk-Literature führt das Muster unter eigenen Nummern: A1270, „Urzeitliches Menschenpaar“; A1273, „Zwillings-Ersteltern“; A1273.1, „Inzestuöse Ersteltern“; und A1006.2, „Neues Menschengeschlecht aus Inzest nach einer Weltkatastrophe“, mit hinduistischen und chinesischen Beispielen.
| Tradition | Erstes Paar | Verwandtschaft | Quelle |
|---|---|---|---|
| Vedisches Indien | Yama und Yamī | Zwillinge; sie macht ihm einen Vorschlag, er lehnt ab | Rigveda 10.10 |
| Vedisches Indien | Prajāpati und Uṣas (Morgenröte) | Vater und Tochter | Aitareya Brāhmaṇa 3.33; Śatapatha Brāhmaṇa 1.7.4.1 |
| Purāṇisches Indien | Brahmā und Śatarūpā, auch Sarasvatī genannt | Schöpfer und die von ihm erschaffene Frau | Matsya Purāṇa 3 |
| Iran | Mashya und Mashyāna | Zwillinge, die als eine einzige Pflanze wachsen | Bundahišn 15 |
| Ägypten | Osiris und Isis | Bruder und Schwester, Kinder von Geb und Nut | Plutarch, On Isis and Osiris 12 |
| Sumer | Enki und seine Nachkommen | Vater, Tochter, Enkelin | Enki and Ninhursaga |
| Griechenland | Gaia und Ouranos; Zeus und Hera | Mutter und Sohn; Bruder und Schwester | Hesiod, Theogony 126–133, 453–457, 921 |
| Nordische Tradition | Ymir | Kein Gefährte: Riesen wachsen aus seinem Körper | Snorri, Gylfaginning 5 |
| Japan | Izanagi und Izanami | Bruder und Schwester | Kojiki |
| Israel | Adam und Eva | Frau aus dem Körper des Mannes erschaffen | Genesis 2:21–23 |
Der vedische Fall kommt dem chinesischen am nächsten. Yama und Yamī sind Zwillinge und die ersten Sterblichen. Im Rigveda 10.10 drängt Yamī ihren Bruder, mit ihr zu schlafen, damit ihre Linie fortbesteht. Sie argumentiert, der göttliche Handwerker Tvaṣṭar habe sie bereits im Mutterleib als Paar erschaffen. Yama weigert sich, weil er die Beobachter der Götter fürchtet, die alles sehen. Es ist die Szene aus dem Duyizhi, als Streitgespräch gewendet: Das erste Paar muss entscheiden, ob die erste Ehe erlaubt ist, und der Himmel urteilt. Die Brāhmaṇas verlagern das Problem zum Schöpfer zurück. Prajāpati begehrt seine eigene Tochter, den Himmel oder die Morgenröte, und nähert sich ihr in Gestalt eines Hirsches. Die Götter nennen dies eine nie zuvor begangene Tat und setzen Rudra aus ihren furchterregendsten Gestalten zusammen, um auf ihn zu schießen. Das Matsya Purāṇa erzählt die Geschichte mit Brahmā nach, der sein Gesicht in jede Richtung wendet, um die von ihm erschaffene Frau Śatarūpā, auch Sarasvatī genannt, weiter beobachten zu können, bis Śiva ihm das fünfte Haupt abschlägt.
Im Iran stammen Zwillinge aus einer einzigen Pflanze. Im Bundahišn wachsen Mashya und Mashyāna aus dem Samen des ersten Menschen wie ein einstämmiger Rhabarber; ihre Taillen sind so eng verbunden, „dass nicht zu erkennen war, welches das Männchen und welches das Weibchen ist“. Erst später werden sie zu zwei Menschen. Thompson verzeichnet das Motiv als A1225.1, „Erstes Paar organisch miteinander verbunden“; es ist dasselbe Bild wie bei dem Han-Paar, dessen Schwänze sich nicht trennen lassen. Nach fünfzig Jahren bekommen die iranischen Zwillinge selbst Zwillinge.
In Ägypten stand die Geschwisterehe im Zentrum der Königsherrschaft. Osiris und Isis sind Bruder und Schwester, Kinder des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. Plutarch berichtet, dass sie „einander liebgewannen und sich in der Dunkelheit des Mutterleibs, noch vor ihrer Geburt, vereinigten“. Sumer ging noch weiter. In Enki and Ninhursaga schwängert Enki zunächst seine Tochter, dann seine Enkelin und schließlich deren Tochter, bis Ninhursaga eingreift. Als Enki später erkrankt, ist eine der Göttinnen, die zu seiner Heilung geboren werden, Ninti, die „Herrin der Rippe“ (ti). Samuel Noah Kramer bemerkte, dass ti auch „leben“ bedeutet, und sah in diesem Wortspiel einen sumerischen Vorläufer Evas, der „Mutter aller Lebenden“, die aus einer Rippe erschaffen wurde.
Griechenland ist unverblümt. Gaia gebiert Ouranos und liegt anschließend mit ihm; Zeus heiratet seine Schwester Hera. Der nordische Fall wird oft falsch wiedergegeben. Ymir, der erste Riese, hat keine Gefährtin. Während er schläft, wachsen unter seinem linken Arm ein Mann und eine Frau, und eines seiner Beine zeugt mit dem anderen einen Sohn. Bestla, die mitunter als seine Gefährtin bezeichnet wird, gehört einer späteren Generation an: Sie ist die Tochter des Riesen, die Bor heiratet und Odins Mutter wird.
Die Genesis löst das Problem, indem sie die Frau aus dem Mann erschafft. Eva wird aus Adams Seite genommen: „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“; die Frau Kains wird nie erklärt. Die Verwandtschaft steckt im Körper, statt in einer Ehe ausgesprochen zu werden. Nüwa und Fuxi sind im Vergleich dazu typisch. Fast jedes erste Paar in den alten Literaturen ist miteinander verwandt, und die Geschwister, die um Erlaubnis zur Heirat bitten müssen, sind eine der häufigsten Varianten. Was das chinesische Paar am engsten mit Iran und der Genesis verbindet, ist die Vorstellung eines einzigen Körpers, der sich in zwei teilt. Die erste Ehe bedarf stets einer Entscheidung, denn das Inzestverbot selbst ist eine menschliche Erfindung – ein Thema, das die Website unter dem Inzestverbot als menschlicher Technologie behandelt.
Eva und die Schlange in einer Gestalt #
Westliche Beobachter haben den Vergleich schon seit dem 17. Jahrhundert gezogen, als Jesuiten-Figuristen versuchten, die chinesische Antike als verhüllte Version der Genesis zu lesen. Mit ihrer Offenbarungstheorie lagen die Figuristen falsch, doch die von ihnen erkannte Parallele ist real.
| Element | Nüwa-Fuxi-Komplex | Genesis 2–4 |
|---|---|---|
| Menschen aus Erde erschaffen | Nüwa knetet gelbe Erde | JHWH formt den Menschen aus dem Staub des Erdbodens (2:7) |
| Erste Mutter | Nüwa, Urmutter der Menschheit | Eva, „Mutter aller Lebenden“ (3:20) |
| Schlange | Nüwa ist schlangenleibig | Die Schlange spricht im Garten zum Weib |
| Erstes Paar | Fuxi und Nüwa, miteinander verschlungen | Adam und Eva, „ein Fleisch“ (2:24) |
| Stiftung der Ehe | Nüwa wird zur Vermittlerin und begründet die Ehe | Das erste Paar wird zum Vorbild der Ehe (2:24) |
| Verwandtschaftsproblem | Geschwister heiraten mit der Erlaubnis des Himmels | Eva wird aus Adams Körper genommen; Kains Frau bleibt unerklärt |
| Erkenntnis und Ordnung | Zirkel, Winkelmaß, Trigramme, Regeln | Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse |
| Katastrophe | Zerbrochener Himmel, Feuer, Flut, Wiederherstellung | Vertreibung, dann die Flut |
Die Tabelle zeigt ein gemeinsames Repertoire an Elementen, die unterschiedlich angeordnet sind. In der Genesis werden sie auf verschiedene Figuren verteilt. Gott bearbeitet die Erde. Die Frau schenkt Leben. Die Schlange bringt Erkenntnis, die dem Paar die Augen öffnet. Das Paar wird zur ersten Familie, und die Geschichte behandelt die Schlange als Feind. Nüwa vereint mehrere dieser Rollen. Sie formt die Erde, ist die Mutter und ist die Schlange. Auf den Darstellungen der Han-Zeit sind die Erkenntnis und die Ordnung, die Eden untersagt sind, die Werkzeuge, die das Paar zum Himmel emporhält. Nüwa ist gewissermaßen Eva und die Schlange in einer Gestalt.
Auch auf westlicher Seite gibt es eine sprachliche Spur. Evas hebräischer Name, Ḥawwāh, klingt fast genau wie das aramäische Wort für Schlange, ḥiwyā. Den Rabbinern fiel es auf. In Genesis Rabbah 20:11 spielt Rabbi Aha darauf an: „Die Schlange war deine Schlange, und du bist Adams Schlange“ (Sefaria). Philologen des 19. Jahrhunderts, darunter Wellhausen und Nöldeke, hielten die Verbindung eher für eine mögliche Etymologie als für ein Wortspiel. Wenn sie recht hatten, trug die erste Frau der Genesis einst die Schlange in ihrem Namen, so wie Nüwa sie in ihrem Körper trägt. Die Etymologie ist weiterhin umstritten; die folgende Argumentation hängt nicht von ihr ab. Doch sie lässt vermuten, dass die Genesis eine Gestalt aufspaltete, die einst eine einzige gewesen war.
Die moralische Wertung unterscheidet sich völlig. Nüwa wird nie beschuldigt. Sie stellt die Welt wieder her, die andere zerstören. In der Genesis sind die Frau und die Schlange für den Bruch verantwortlich. Genau diese Umkehr wäre zu erwarten, wenn eine ältere, als Mutter verehrte Gestalt und ihre Schlange von einer Theologie übernommen worden wären, die einem einzigen männlichen Gott alle Schöpferkraft zuschrieb. Der ausführlichere Essay Wie die Götter nach Osten kamen auf dieser Website legt den nahöstlichen Hintergrund dar: mesopotamische Geburtsgöttinnen, die Menschen aus Lehm formten, Aschera und der heilige Baum sowie die Redaktoren der Genesis, die die alten Rollen auf verschiedene Figuren verteilten.
Weitere schlangenleibige Ahnen #
Wären Nüwa und Eva die einzigen Beispiele, wäre Zufall eine plausible Erklärung. Doch das sind sie nicht. In ganz Eurasien treten Gestalten auf, die halb Mensch und halb Schlange sind und am Anfang von Völkern, Städten und sogar der Ehe selbst stehen.
- Kekrops von Athen. Der erste König Attikas war erdgeboren und von doppelter Gestalt, „mit einem aus Mensch und Schlange zusammengesetzten Körper“ (Apollodor, Bibliothek 3.14.1). Klearchos von Soloi zufolge, den Athenaios zitiert, war Kekrops „der Erste, der eine Frau mit einem Mann vereinte“ und damit ein Zeitalter beendete, in dem „die Männer ihre Frauen gemeinsam hatten“ (Deipnosophistai 13.555d). Spätere griechische Autoren erklärten seine Doppelgestalt mit dieser Reform: Seit Kekrops hatte ein Kind sowohl einen Vater als auch eine Mutter. Hier haben wir einen schlangenleibigen Gründer, der die Ehe einführt – eine Rolle, die Nüwa bei Ying Shao zukommt.
- Die Ahnfrau der Skythen. Herodot erzählt, wie Herakles bei der Suche nach seinen verlorenen Stuten in einer Höhle „ein Wesen von doppelter Gestalt, halb Mädchen und halb Schlange“, fand. Sie behielt die Pferde, bis er mit ihr schlief; ihre drei Söhne begründeten die skythische Königslinie (Herodot 4.9). Goldarbeiten der Skythen aus dem 4. Jahrhundert v. u. Z., etwa die Pferdestirnbleche aus dem Kurgan von Tsymbalka in der Ukraine, zeigen eine Göttin, deren Unterkörper sich in schlangenartige oder rankenförmige Glieder teilt. Die Steppenvölker, die dieses Bild verbreiteten, gelangten bis zum Altai.
- Die Naga-Braut der Khmer und Cham. Die Gründungserzählung von Funan erscheint in chinesischen Annalen als die Heirat eines Fremden, Huntian, mit der einheimischen Königin Liuye. Eine Sanskrit-Inschrift der Cham aus dem Jahr 658 u. Z. erzählt sie als Heirat des Brahmanen Kaundinya mit Soma, der Tochter des Naga-Königs. Südostasiatische Herrscherhäuser führten ihre Abstammung mehr als tausend Jahre lang auf diese Schlangenmutter zurück.
- Verschlungene Schlangen in Mesopotamien. Auf dem Libationsgefäß des Gudea von Lagasch (um 2100 v. u. Z., Louvre) sind im Emblem des Ningischzida zwei Schlangen dargestellt, die sich um einen Stab winden. Das Motiv reicht bis zum Caduceus des Hermes. Es handelt sich um ein Schlangenpaar, nicht um Mischwesen aus Mensch und Schlange, doch ist es das älteste datierte Bild verschlungener Schlangen als heiliges Emblem (siehe Hermes und die Schlange).
Im griechischen Mythos gibt es außerdem Echidna, „halb eine Nymphe mit leuchtenden Augen und schönen Wangen, halb eine monströse Schlange“ (Hesiod, Theogonie 297–299), die mit Typhon eine Reihe von Ungeheuern zeugt. Derselbe Körperbau, nur als Schurkenfigur.
DDie Schlange am Anfang, rund um die Welt #
Die oben genannten Mischwesen sind eurasisch, und zwischen den meisten lassen sich bekannte Verbindungswege nachweisen. Die umfassendere These der Website lautet: dass der Platz der Schlange am Anfang des menschlichen Lebens weltweit ist und dass sie stets mit denselben Begleitern erscheint. Fünf Motive kehren wieder. Die Schlange ist bei der Schöpfung oder bei der Erschaffung der ersten Menschen anwesend. Sie besitzt, verleiht oder stiehlt Wissen, Unsterblichkeit oder die Pflanze des Lebens. Sie lebt in tiefem Wasser oder spannt sich als Regenbogen über den Himmel. Sie ist mit einer Urmutter oder einem Urpaar verbunden. Und sie steht Initiationsriten vor, bei denen Menschen getötet und neu erschaffen werden. Nur wenige Traditionen bewahren alle fünf Motive. Die meisten bewahren drei oder mehr.
| Region | Schlange | Am Anfang | Wissen, Leben oder Ritus |
|---|---|---|---|
| Mesoamerika | Quetzalcoatl, Cihuacoatl, Q’ukumatz | Erschafft die heutigen Menschen aus Knochen oder Mais | Künste und Kalender; den ersten Menschen beschränken die Götter das Sehvermögen |
| Westafrika (Fon) | Aido-Hwedo | Trägt die Schöpfergottheit Mawu, während sie die Welt gestaltet | Pythonenkult an der Sklavenküste |
| Australien | Regenbogenschlange | Gestaltet das Land; lebt in Wasserlöchern und im Regenbogen | Verleiht „klugen Männern“ Macht; verschlingt Initianden |
| Indien | Śeṣa-Ananta; nāgas | Lagerstatt Viṣṇus zwischen den Schöpfungen | Nāgas bewahren Lehren, bis die Menschen bereit sind |
| Ägypten | Wadjet, Mehen, Apep, die Ogdoad | Urgöttinnen mit Schlangenköpfen; Atum endet als Schlange | Der königliche Uräus |
| Mesopotamien | Schlange aus Gilgamesch | Dilmun, das Land ohne Tod | Stiehlt die Pflanze der Verjüngung |
| Iran | Ahriman | Bricht wie eine Schlange in die Schöpfung ein | Die erste Lüge des ersten Paares |
| Griechenland | Ophion; Chronos; Asklepios | Herrscht vor Kronos; das erste Prinzip | Heilung, Inkubation, ein Kraut, das Tote auferweckt |
| Nordische Welt | Jörmungandr | Umschlingt die Welt | Gift, das Thor tötet |
| Gnostiker | Die Schlange im Garten Eden | Unterweist das erste Paar | Gnosis; eine Schlange am Abendmahlstisch |
Mesoamerika. In der nahuatlsprachigen Leyenda de los Soles (1558) steigt Quetzalcoatl, die gefiederte Schlange, nachdem die Menschen einer früheren Welt vernichtet worden sind, nach Mictlan, dem Land der Toten, hinab, um ihre Knochen zurückzuholen. Auf der Flucht lässt er sie fallen und zerbricht sie; die Bruchstücke trägt er nach Tamoanchan. Dort zerreibt die Göttin Cihuacoatl, „Schlangenfrau“, auch Quilaztli genannt, sie in einer Jadeschale, Quetzalcoatl lässt sein Blut aus dem Penis auf die Masse tropfen, und aus dem Brei werden die heutigen Menschen geformt. Eine gefiederte Schlange und eine Schlangenfrau erschaffen gemeinsam Menschen. Bei den yukatekischen Maya war die gefiederte Schlange Kukulkan, dessen Kult sich auf Chichen Itza und Mayapan konzentrierte. Im K’iche’-Popol Vuh sind Tepew und Q’ukumatz die Schöpfer; ihr Name bedeutet „Quetzal-Schlange“. Sie liegen, in grüne Federn gehüllt, im Urwasser. Nachdem Menschen aus Lehm und aus Holz misslungen sind, erschaffen sie die ersten wirklichen Menschen aus Mais, den die Großmutter Xmucane gemahlen hat. Diese Menschen sehen zu viel. Sie verstehen alles, was nah und fern ist, und die Götter, denen es unbehaglich wird, dass ihre Geschöpfe ihnen gleichkommen, trüben ihre Augen, wie ein Spiegel beschlägt, den man anhaucht. Das ist das Problem des Gartens Eden, erzählt auf der anderen Seite der Welt: Wissen, das Menschen gottgleich macht, und ein Schöpfer, der es begrenzt. Coatlicue, „Schlangenrock“, ist eine andere Gestalt: die Erdmutter der Mexica, die Huitzilopochtli auf Coatepec, dem „Schlangenberg“, empfängt (Codex Florentinus, Buch 3). Sie ist mit einem Schlangenrock dargestellt und hat zwei einander zugewandte Schlangen als Kopf. Die gefiederte Schlange ist älter als die Azteken; die Website verfolgt ihre Spuren zurück in Die Olmekischen Rätsel und die Schlange vor Quetzalcoatl und Schlangenmythen der Neuen Welt.
Westafrika. Die Fon von Dahomey im heutigen Benin beginnen mit Nana-Buluku, einer urzeitlichen Schöpfergottheit, die Zwillinge gebiert: Mawu, weiblich und mit dem Mond verbunden, und Lisa, männlich und mit der Sonne verbunden. Mawu-Lisa, das göttliche Paar, erschaffen dann die Welt. In Berichten, die Melville und Frances Herskovits sowie spätere Ethnografen aufgezeichnet haben, wird Mawu im Maul von Aido-Hwedo, der Regenbogenschlange, von Ort zu Ort getragen. Wo die beiden ruhten, wurde ihr Kot zu Bergen. Als sich die fertige Erde als zu schwer erwies, ringelte sich Aido-Hwedo unter ihr im Meer, um sie zu stützen. An derselben Küste bestand ein lebendiger Schlangenkult. In Ouidah hatte die Python Dangbe einen eigenen Tempel und eine eigene Priesterschaft, die der niederländische Händler Willem Bosman um 1700 als Hauptgegenstand der Verehrung im Königreich Whydah beschrieb. Zwillingsahnen, ein androgynes Urwesen und eine Schlange, die das Land erschafft und es dann trägt: Die Kosmologie der Fon umfasst den größten Teil dieses Motivkomplexes (siehe Afrikanische Ursprungsmythen).
Australien. A. R. Radcliffe-Brown prägte 1926 den Ausdruck „Regenbogenschlange“ für eine Vorstellung, die ihm auf dem gesamten Kontinent unter zahlreichen Namen begegnete: eine riesige Schlange, die in tiefen, permanent wasserführenden Wasserlöchern lebt, als Regenbogen sichtbar wird, den Regen beherrscht und mit Bergkristall und Perlmuschel verbunden ist. Medizinmänner beziehen ihre Macht von ihr. In südöstlichen Berichten, die Radcliffe-Brown und A. P. Elkin aufgezeichnet haben, wird ein Novize zum Himmel oder in ein Wasserloch gebracht, getötet und mit Bergkristallen gefüllt, der Substanz der Schlange, ehe er als „kluger Mann“ zurückkehrt. Im Arnhemland verschlingt die Python Yurlunggur die beiden Wawilak-Schwestern und ihre Kinder und speit sie dann wieder aus; bei den Zeremonien der Männer wird dieses Verschlingen als Initiation inszeniert (Warner 1937). Paul Taçon und seine Kollegen datierten die ersten Malereien der Regenbogenschlange im westlichen Arnhemland auf etwa sechstausend Jahre vor unserer Zeit, als steigende Meeresspiegel die Küste umgestalteten (siehe Australische Schlangenmythen und Von Schlangen gebissen und verschlungen).
Indien. Zwischen den Schöpfungen schläft Viṣṇu auf dem kosmischen Ozean, auf den Windungen der Schlange Śeṣa, auch Ananta, „endlos“, genannt. Aus seinem Nabel wächst ein Lotos, der Brahmā trägt; dieser beginnt die nächste Welt. Śeṣa bedeutet „Rest“, das, was übrig bleibt, wenn eine Welt aufgelöst wird. Das Viṣṇu Purāṇa (2.5) verortet ihn unter den Unterwelten, wo er die Erde auf seinen Hauben trägt; am Ende eines Zeitalters strömt Feuer aus seinem Maul, um die Welten zu verzehren. Die nāgas, Kobrawesen, die in vielen indischen Skulpturen menschliche Oberkörper und Schlangenschwänze haben, sind das bildlich engste Gegenstück zu Nüwa. Sie bewachen Gewässer und Schätze. In der buddhistischen Tradition schützt der Nāga-König Mucalinda den meditierenden Buddha während eines Sturms mit seinen Hauben (Udāna 2.1); einer späteren Legende zufolge brachte Nāgārjuna Mahāyāna-Schriften aus dem Palast der nāgas herauf, wo sie aufbewahrt worden waren, bis die Menschen sie empfangen konnten. (Siehe auch Müller über Schlangenverehrung.)
Ägypten. Wadjet, die Kobra-Göttin von Buto im Delta, erhob sich als Uräus auf der Stirn des Königs, als Herrschaftszeichen. In Hermopolis bildeten die acht Urgötter der Ogdoad vier Paare: Die männlichen Gottheiten hatten Froschköpfe, die weiblichen Schlangenköpfe, sodass die ersten Paare im Urwasser selbst halb Schlange waren. Nachts reist die Sonne in den Windungen der schützenden Schlange Mehen durch die Unterwelt und kämpft gegen die Chaosschlange Apep. Im Spruch 175 des Totenbuchs sagt der Schöpfer Atum, dass er eines Tages alles Zerstören werde, was er erschaffen hat, und die Welt in das Urwasser zurückkehren werde. Nur er werde mit Osiris in Gestalt einer Schlange übrig bleiben. Wie Śeṣa ist die Schlange das, was von einer Welt übrig bleibt.
Mesopotamien. Enki und Ninhursaga beginnt in Dilmun, einem reinen Land, in dem „der Löwe nicht tötete, der Wolf keine Lämmer davontrug“ und noch niemand sagte: „Ich bin eine alte Frau.“ Kramer bezeichnete es als sumerischen Paradiesmythos. Der Verlust des Lebens, das niemals altert, geht auf die Schlange zurück. In Tafel XI des Gilgamesch-Epos erzählt Utnapischtim dem Helden von einer Pflanze unter Wasser, die „Der Alte wird wieder jung“ heißt. Gilgamesch taucht nach ihr und bringt sie herauf, doch während er in einem Tümpel badet, riecht eine Schlange ihren Duft, trägt sie davon und häutet sich dabei. Thompson führt den Typ als A1335.5 auf: „Ursprung des Todes: Schlange erhält Unsterblichkeit statt des Menschen.“ Die Schlange behält, was die Menschen verloren haben, wie am Baum im Garten Eden.
Iran. Im Bundahišn greift der böse Geist Ahriman die gute Schöpfung an und „sprang wie eine Schlange aus dem Himmel auf die Erde hinab“. Dabei verbreitete er Schlangen, Skorpione und andere giftige Geschöpfe, bis kein noch so kleines Fleckchen von ihnen frei war. Darauf folgt die erste Sünde des ersten Paares: Mashya und Mashyāna erklären, der böse Geist habe Wasser, Erde und Pflanzen erschaffen. Das ist die Abfolge aus dem Garten Eden, in der die Schlange dauerhaft auf der Seite des Bösen steht; zugleich ist es das iranische Ende einer langen Tradition der Schlangensymbolik, die in Schlangen als Kontrollflächen erörtert wird.
Griechenland. In der Argonautika (1.496–511) besingt Orpheus, „wie zuerst Ophion und Eurynome, die Tochter des Okeanos, die Herrschaft über den schneereichen Olymp innehatten“, bis Kronos und Rhea sie überwältigten und sie in die Wogen stürzten. Ophions Name leitet sich von ophis, „Schlange“, ab; im sechsten Jahrhundert v. u. Z. erzählte Pherekydes von Syros von einem Kampf zwischen Kronos und der Schlange Ophioneus um die Herrschaft über den Himmel. Die bekannte Version, in der Eurynome über die Wellen tanzt, aus dem Nordwind die Schlange erschafft und ein Weltenei legt, um das Ophion sich siebenmal ringelt, ist Robert Graves’ „pelasgischer Schöpfungsmythos“ (The Greek Myths, 1955, §1), aufgebaut aus diesen Fragmenten und seiner eigenen Theorie einer prähistorischen Göttinnenreligion. Kein antiker Text erzählt diese Geschichte. Die orphische Schlange ist hingegen sicher belegt. In der hieronymanischen Theogonie ist das erste Wesen eine geflügelte Schlange mit den Köpfen eines Stiers und eines Löwen und dem Gesicht eines Gottes dazwischen, genannt Unalternde Zeit; mit ihr verbunden ist Ananke, die Notwendigkeit, deren Arme den gesamten Kosmos durchziehen (siehe Orphische Kosmogonie). Asklepios führt die Schlange in die Heilkunst ein. In seinen Heiligtümern lebten heilige Schlangen, bei denen Kranke in der Hoffnung auf einen heilenden Traum schliefen; als Rom ihn während einer Seuche im frühen dritten Jahrhundert v. u. Z. aus Epidauros herbeirief, kam er in Gestalt einer Schlange an (Livius, Periochae 11; Ovid, Metamorphosen 15.622–744). Hyginus zufolge lernte Asklepios, Tote wiederzubeleben, als er beobachtete, wie eine Schlange einem anderen Tier ein Kraut brachte, um es wiederzubeleben (Astronomica 2.14) – die Pflanze aus Gilgamesch in den Händen eines Heilers (siehe Der Stab des Asklepios).
Nordische Welt. Jörmungandr, die Midgardschlange, ist ein Kind Lokis. Odin wirft sie ins Meer, wo sie so lange wächst, bis sie alle Länder umschließt und sich in den Schwanz beißt (Gylfaginning 34; Thompsons Motiv A876, „Eine Schlange umschließt die Erde“, ist von Island bis Indien und zu den Azteken belegt). Bei Ragnarök tötet Thor sie, geht neun Schritte und fällt dann, von ihrem Gift getötet, tot um.
Die Gnostiker. Einige frühchristliche Sekten lasen die Genesis in umgekehrter Weise. Die Ophiten leiteten ihren Namen von ophis ab, die Naassener ihren von hebräisch naḥash, „Schlange“. Irenäus berichtet, „einige von ihnen behaupten, die Sophia selbst sei zur Schlange geworden“, die dem Schöpfer Adams feindlich gegenüberstehe, und habe „den Menschen Wissen eingepflanzt, weshalb die Schlange weiser als alle anderen genannt wurde“ (Adversus haereses 1.30.15). Hippolytus überliefert ausführlich einen Hymnus der Naassener und ihre Lehre (Refutatio 5.6–11). Epiphanius, ein feindseliger Zeuge, berichtet, eine Gruppe habe eine lebende Schlange in einem Korb gehalten, Brote auf einem Tisch für sie ausgelegt, damit sie sich darum ringelte, und dann das Brot für die Kommunion gebrochen und die Schlange auf den Mund geküsst (Panarion 37.5.6–7). Hier wird die Schlange im Garten Eden als Lehrerin des ersten Paares wieder eingesetzt und erhält einen Platz im Ritus (siehe Das Giftmotiv in den Schlangenchristus-Traditionen).
Einzeln betrachtet lässt sich jede dieser Traditionen lokal erklären. Zusammengenommen ergeben sie ein Muster, das sich nicht durch Schlangenfurcht erklären lässt. Die Schlange ist bei der Erschaffung der Menschen in China, Mexiko, Guatemala, Dahomey und Australien anwesend. Sie ist in China, Israel, Mexiko, Dahomey und Ägypten mit der ersten Mutter oder dem ersten Paar verbunden. In Mesopotamien, Israel, Griechenland und dem Popol Vuh besitzt sie die Pflanze des Lebens oder das Wissen, das Menschen gottgleich macht. In Australien tötet sie Initianden und erschafft sie neu; bei der griechischen Inkubation heilt sie, und bei einer gnostischen Kommunion sitzt sie auf dem Brot. Ihre moralische Bewertung schlägt um. In China, Australien und Mesoamerika ist sie eine Wohltäterin, im Iran, in Skandinavien und in der orthodoxen Genesis eine Feindin und bei den Gnostikern wieder eine Lehrerin. Diese Umkehrungen sind aufschlussreich. Wo die Schlange dämonisiert wird, ist sie gewöhnlich eine Schlange, die schon am Anfang Macht besaß; die Feindseligkeit wirkt wie ein späteres Urteil über etwas, das bereits vorhanden war. Schlangenfurcht erklärt, warum Menschen Schlangen meiden. Sie erklärt nicht, warum sie Schlangen die ersten Eltern, verbotenes Wissen, verlorene Unsterblichkeit und Riten zuschreiben, die einen Menschen neu erschaffen. Die Übersicht der Website über weise Schlangen argumentiert, dass dieser Ruf auf ihrer Verwendung beruht: Schlangen und ihr Gift waren Teil der Riten, durch die Menschen erstmals zu Selbsterkenntnis gelangten.
Diffusion oder unabhängige Erfindung? #
Schlangen gibt es überall; sie sind furchterregend und wirken sichtbar regenerativ, weil sie sich häuten. Menschen überall hätten ihrer ersten Mutter einen Schlangenschwanz geben können. Das ist das stärkste Argument für unabhängige Erfindung, und für jedes einzelne Motiv reicht es aus. Die Frage ist, ob es die Gesamtheit der Belege abdeckt. Die ehrliche Antwort hängt davon ab, welche Schicht des Nüwa-Fuxi-Komplexes man untersucht.
Zirkel und Winkelmaß: chinesisch und nach Westen verbreitet. Die Werkzeuge sind an eine spezifisch chinesische Kosmologie gebunden (runder Himmel, quadratische Erde, guiju als Regel). Sie werden in Werkstätten der östlichen Han-Zeit gebräuchlich und gelangen über Gansu nach Turfan. Im Nahen Osten gibt es nichts, wo diese Werkzeuge in den Händen schlangengestaltiger Ahnen liegen. Diese Schicht ist eine lokale Erfindung.
Die Geschwisterflut: regionale Überlieferung. Der Erzählzyklus von Flut, Kürbis und Geschwistern ist in Südchina und Festland-Südostasien dicht belegt und hat einen japanischen Zweig. Er verbreitete sich über einen langen Zeitraum durch Kontakte zwischen benachbarten Völkern und verband sich erst spät mit Nüwa und Fuxi. Das griechische Flutpaar Deukalion und Pyrrha sind Cousin und Cousine, keine Geschwister; ihre Geschichte gehört einem anderen Zweig an. Verwandte Ur-Elternpaare sind, wie die obige Liste der ersten Paare zeigt, nahezu universell, weshalb dieses Motiv allein wenig beweist.
Die Schlangenfrau als Mutter der Menschheit: Am besten durch Überlieferung zu erklären. Hier wird es schwer, Zufall als Erklärung aufrechtzuerhalten. Die Vergleiche betreffen keine einzelnen Schlangen. Es sind Motivbündel: eine schlangengestaltige oder mit Schlangen verbundene weibliche Gestalt am Anfang eines Volkes, verknüpft mit der Begründung von Ehe oder Abstammungslinie und oft neben einem männlichen Partner, der Handwerker oder Kulturbringer ist. Dieses Bündel findet sich in der Genesis, in Attika, in der pontischen Steppe, in China und in Funan. Einige dieser Regionen standen nachweislich miteinander in Verbindung. Skythen und Saken erreichten im ersten Jahrtausend v. u. Z. die Grenzen chinesischer Staaten. Weizen, Pferde, Streitwagen und die Bronzeverarbeitung waren bereits über dieselben Korridore nach Osten gelangt. Ein Motiv braucht keinen einzelnen Missionar, um Asien zu durchqueren. Es braucht viele Generationen von Nachbarn, die es weitergeben – so wie Getreide und Streitwagen weitergegeben wurden.
Die vergleichenden Mythologen, die versucht haben, Mythen zu vermessen, weisen bei dieser Schicht in dieselbe Richtung. Ihre Methoden unterscheiden sich ebenso wie ihre Altersschätzungen, doch alle finden die Schlange innerhalb eines strukturierten, überlieferten Erzählbestands und nicht verstreut nach dem Zufallsprinzip.
Stith Thompsons Motif-Index wurde als Katalog, nicht als Theorie angelegt, was seine Verbreitungsangaben nützlich macht. Die die Erde umschlingende Schlange (A876) ist für Island, Sibirien, Westasien, Indien, die Arapaho und die Azteken verzeichnet. Die Schlange, die die für Menschen bestimmte Unsterblichkeit erhält (A1335.5), und die inzestuösen ersten Eltern (A1273.1) haben jeweils eigene Einträge. So spezifische Motive sind nicht gleichmäßig über die Weltkarte verteilt, wie es zu erwarten wäre, wenn jedes Volk sie aus derselben Angst heraus erfunden hätte. Sie häufen sich entlang von Kontaktlinien.
Michael Witzels The Origins of the World’s Mythologies (2012) macht aus solchen Motivbündeln eine Geschichte. Er argumentiert, dass die Mythologien Eurasiens, Nordafrikas, Polynesiens und Amerikas einen Erzählstrang teilen, den er „laurasisch“ nennt: Die Welt entsteht aus dem Chaos, Generationen von Göttern folgen aufeinander, ein Drache oder eine Schlange wird bekämpft, Menschen werden erschaffen und fallen, eine Flut vernichtet sie, und die Welt endet und wird manchmal erneuert. Witzel verortet die Entstehung dieses Erzählstrangs vor etwa 40.000 Jahren in Südwestasien. Die älteren gondwanischen Mythologien in seinem Modell, die in Subsahara-Afrika, auf den Andamanen, in Neuguinea und in Australien vorkommen, kennen keine eigentliche Kosmogonie und setzen eine bereits bestehende Welt voraus. 5 Die Schlange überschreitet seine Trennlinie. Australien und Westafrika, beides gondwanische Regionen, kennen die oben beschriebenen Regenbogenschlangen. Entweder ist die Schlange älter als der laurasische Erzählstrang oder sie verbreitete sich unabhängig davon. In beiden Fällen ist sie ein überliefertes Element, kein lokaler Zufall.
Die Phylogenetik hat es möglich gemacht, die Tiefe zu prüfen. Sara Graça da Silva und Jamshid Tehrani (2016) verglichen Folktales in indoeuropäischsprachigen Gesellschaften und stellten fest, dass ihre Verbreitung der Verwandtschaftslinie der Bevölkerungen besser folgt als der geografischen Entfernung. Das ist das Kennzeichen einer Überlieferung von einer Elternkultur an Tochterkulturen und nicht einer Entlehnung zwischen Nachbarn. Sie datierten „Der Schmied und der Teufel“ auf die Bronzezeit zurück. Julien d’Huy wandte dieselben Methoden auf einzelne Mythen an: Polyphem, die kosmische Jagd und den Drachen, den er als Mischwesen mit Schlangenanteil und Wasserbezug definiert. Für den Drachen codierte er 69 Merkmale in 23 Weltregionen und rekonstruierte einen Stammbaum, der den großen menschlichen Wanderungsbewegungen folgt. Diese Studien zeigen, dass Erzählungen über Tausende von Jahren mit messbarer Übereinstimmung weitergegeben werden können. Sie zeigen nicht, wo die Erzählungen ihren Ursprung haben. D’Huy legt seine Bäume per Annahme in Afrika an und liest das Ergebnis dann als afrikanische Vorgeschichte – ein Problem, das die Website in Gegen d’Huy und die afrikanische Wurzel der Weltmythologie darlegt. Die Stammbäume belegen Verwandtschaft. Die Wurzel muss auf andere Weise gefunden werden.
Das stärkste Argument für unabhängige Erfindung stammt von Mircea Eliade und Claude Lévi-Strauss. Eliades Patterns in Comparative Religion (1958) verbindet die Schlange mit dem Mond. Sie häutet sich und kehrt wieder, wie der Mond abnimmt und wiederkehrt, und wird so mit Frauen, Regen, Fruchtbarkeit und Wiedergeburt verknüpft. Er fasst das Ganze als ein Muster zusammen: „Mond-Regen-Fruchtbarkeit-Frau-Schlange-Tod-periodische Erneuerung.“ Wenn eine einzelne Naturbeobachtung das Motivbündel hervorbringt, bedarf es keiner Übertragung.
Lévi-Strauss deutet in „The Structural Study of Myth“ (1955) den thebanischen Sagenkreis als logische Operation. Kadmos tötet einen Drachen und Ödipus die Sphinx; darin liest er eine Leugnung der Vorstellung, Menschen seien aus der Erde geboren. Ödipus heiratet seine Mutter, womit Verwandtschaft überbewertet wird. Der Mythos insgesamt verarbeite die Frage, ob ein Mensch „von einem oder von zweien“ geboren werde. Nach dieser Lesart kehren Schlange, erdgeborener erster Mensch und inzestuöses erstes Paar wieder, weil jeder denkende Mensch, der fragt, woher die Menschen kommen, auf denselben Widerspruch stößt.
Beide Erklärungen zeigen, warum die Elemente zusammenpassen. Keine erklärt die spezifische Antwort, die immer wiederkehrt: eine Schlange, die die ersten Menschen erschafft oder gebiert, ihnen das von den Göttern vorbehaltene Wissen verleiht, die Pflanze des Lebens an sich nimmt und Initiationsriten vorsteht. Auch der Mond stirbt und kehrt wieder, doch niemand schreibt ihm verbotenes Wissen zu. Die Logik stellt das Problem eines oder zweier Elternteile. Sie verlangt nicht als Antwort eine schlangengestaltige Mutter. Joseph Campbell, der oft für seine universalen Archetypen angeführt wird, vertrat genau in diesem Punkt eine historische Sicht. In Occidental Mythology (1964) argumentierte er, dass die Schlange im Garten Eden eine ältere Göttin des Nahen Ostens und ihre Schlange umkehre, die „Braut der Schlange“ eines bronzezeitlichen Kults. Die Website folgt dieser Seite von Campbell in Campbell, der Diffusionist und in ihrer Kritik an der reflexhaften Zurückweisung von Diffusion.
Wie weit zurück die Schlange reicht, ist eine andere Frage als die, ob sie überliefert wurde; und die berühmteste Behauptung über ein besonders hohes Alter hält nicht stand. 2006 verkündete eine Pressemitteilung zu Arbeiten von Sheila Coulson, die Menschen in der Rhino-Höhle in den Tsodilo Hills in Botswana hätten „vor 70.000 Jahren die Python verehrt“. Die veröffentlichte Studie (Coulson, Staurset und Walker 2011) ist vorsichtiger. Sie beschreibt einen Fund aus dem Middle Stone Age: farbige Speerspitzen aus weit entferntem Gestein, die anschließend verbrannt oder zerschlagen worden waren und unter einer Felswand mit Hunderten von schalenförmigen Vertiefungen gefunden wurden. Zudem weist sie darauf hin, dass der Felsvorsprung „dem modernen Auge“ wie eine Schlange oder ein Schildkrötenkopf erscheinen kann. Der Fund ist nicht direkt datiert; seine Datierung beruht auf dem Vergleich mit nahegelegenen Fundstätten. Lawrence Robbins und Kollegen bestritten sowohl die Datierung als auch die Deutung (2007); die eigene Prüfung des Pythonenfelsens durch die Website kommt zu dem Schluss, dass die Python von vor 70.000 Jahren nicht haltbar ist. Die Eve Theory ist nicht darauf angewiesen. Die sicher datierten Schlangenbelege, etwa die ungefähr sechstausend Jahre alten Malereien der Regenbogenschlange im Arnhemland, passen zu einer Verbreitung des Schlangenkomplexes am Ende der Eiszeit und danach – in die Zeit also, in der die Website sie ansetzt.
Zwei Vorbehalte helfen, diese Schlussfolgerung richtig einzuordnen. Erstens sind die chinesischen Texte, in denen Nüwa ein Schlangenkörper zugeschrieben wird, jünger als ihr Name. Das Tianwen stellt das Rätsel; erst Jahrhunderte später geben Kommentatoren eine Antwort darauf. Es ist möglich, dass der Mischkörper in der Han-Zeit unter Einflüssen hinzukam, die sich nicht zurückverfolgen lassen. Zweitens schlagen koreanische Wissenschaftler wie Hong Yunhee, die argumentiert haben, dass das verschlungene Menschen-Schlangen-Paar in einen Vergleich entlang der Seidenstraße gehört (Jungguk eomunhak nonjip 78, 2013), eine Übertragungsroute vor, weisen sie aber nicht nach. Verteidigen lässt sich folgende Aussage: Nüwas lokale Ikonografie ist chinesisch; ihre zentrale Identität als Schlange, Mutter, Schöpferin und Begründerin der Ehe ist eine regionale Ausprägung einer Gestalt, die viel älter als die Han-Zeit ist und weit über Eurasien hinausreichte.
Was die Eve Theory im Schlangenpaar erkennt #
Der Vergleich zeigt, dass das Motivbündel aus Frau und Schlange alt und weit verbreitet ist. Die Eve Theory of Consciousness (EToC), die auf dieser Website und bei Vectors of Mind entwickelt wurde, erklärt, warum das so sein könnte. Rekursive Selbstwahrnehmung – die Fähigkeit, den eigenen Geist zum Gegenstand zu machen und „Ich“ zu sagen – war anatomisch modernen Menschen nicht von Anfang an gegeben. Sie wurde entdeckt, wahrscheinlich zuerst von Frauen, die bei der sozialen Modellbildung einen Vorsprung haben. Durch Rituale wurde sie stabilisiert und als kulturelle Technik verbreitet; in den letzten vielen zehntausend Jahren verstärkte die Selektion diese Fähigkeit dann. Schlangengift, das bei Tranceritualen zum Einsatz kam, ist der wahrscheinlichste frühe Übertragungsweg. Mythen, in denen eine Frau und eine Schlange das Wissen bringen, das Menschen erst zu Menschen macht, bewahren die Erinnerung an diesen Übergang. In Genesis 3:7 werden dem Paar die Augen geöffnet; Scham, Benennung und Verbannung folgen. Die ausführlichste Darlegung des evolutionären Arguments findet sich in Eve Theory and the Wallace Problem.
Nüwa ist der Prüfstein, den diese Theorie braucht. Wenn die Geschichte von Eden eine feindselige Bearbeitung einer älteren Tradition ist, sollte die ältere Fassung irgendwo unbearbeitet erhalten geblieben sein. Sie müsste eine Schlangenfrau zeigen, die nicht von ihrer Schlange getrennt ist, deren Gabe kein Verbrechen ist und die Menschen erschafft und ihnen die Regeln gibt, nach denen sie leben. Das ist Nüwa. Sie erschafft Menschen, führt die Ehe ein und setzt einen zerbrochenen Kosmos wieder instand. Ihr Partner hält den Winkelmaß neben ihren Zirkel: die erste vermessene Welt, die ersten Regeln. Die Genesis ist die spätere, theologisch bearbeitete Fassung, in der dieselbe Gabe zum Sündenfall wird.
Dafür muss niemand in der Han-Zeit das Paläolithikum im Detail in Erinnerung gehabt haben. Es genügt, dass der Schlangen-Mutter-Komplex überliefert wurde, dass er weiterwanderte und dass jede Kultur die Teile bewahrte, die zu ihrer eigenen Kosmologie passten. So gehen der Nüwa-Essay der Website über das Ende der Eiszeit und Wie die Götter nach Osten kamen mit den Belegen um. Die Gegenbelege sollten klar benannt werden. Der Mythos kann den Ursprung des Bewusstseins nicht allein datieren, und die Bilder der Han-Zeit sind zwei- oder dreitausend Jahre alt, nicht zwanzig. Was sie liefern, ist das Muster, das eine Theorie menschlicher Ursprünge erklären muss: In ganz Eurasien erweist sich die erste Mutter immer wieder als Schlange, und die Schlange steht immer wieder dort, wo Wissen, Ehe und Ordnung ihren Anfang nehmen. Die EToC erklärt dieses Muster. Die Theorie der unabhängigen Erfindung kann es lediglich beschreiben.
Das Paar an der Decke #
Kehren wir zu dem Tuch zurück, das in der Gruft von Astana mit der Bildseite nach unten befestigt war. Es umfasst nahezu alle Schichten dieser Geschichte. Die Umarmung und die verknoteten Schwänze zeigen das erste Paar des südlichen Flutmythos. Sonne, Mond und Sterne gehören zur Kosmologie der Han-Zeit. Zirkel und Winkelmaß stehen für die chinesische Lehre vom runden Himmel und dem♀♀♀♀ eine quadratische Erde. Unter all dem steht die ältere Gestalt: eine Frau, die zugleich eine Schlange ist, die Menschen aus Erde erschuf und die Regeln festlegte, nach denen sie leben sollten. Genesis machte sie zu einer Verführerin und Feindin. China bewahrte sie als Mutter und setzte sie an die Decke über den Toten, wo sie den Himmel vermisst.
Quellen #
Chinesische Primärtexte #
- 《楚辭·天問》 Tianwen, mit dem Kommentar von Wang Yi (2. Jh. n. Chr.).
- 《淮南子·覽冥訓》 Huainanzi, “Lanming xun” (139 v. Chr.).
- 許慎《說文解字》 entry 媧 (um 100 n. Chr.).
- 《太平御覽》卷七十八 Taiping yulan 78, überliefert Ying Shaos Fengsu tongyi und Huangfu Mis Diwang shiji zu Nüwa.
- 李冗《獨異志》 Duyizhi (Tang-Zeit), Nüwa und ihr Bruder auf dem Kunlun.
- 《周髀算經》 Zhoubi suanjing, “heaven round, earth square.”
- Wang Yanshou 王延壽, Lu Lingguang dian fu 魯靈光殿賦 (Östliche Han-Zeit), in Wenxuan 11.
Kunst und Archäologie #
- Guo, Yanlong. “Iconographic Volatility in the Fuxi-Nüwa Triads of the Han Dynasty.” Archives of Asian Art 71, Nr. 1 (2021): 63–93. doi:10.1215/00666637-8866680.
- Vampelj Suhadolnik, Nataša. “Transmission of Han Pictorial Motifs into the Western Periphery: Fuxi and Nüwa in the Wei-Jin Mural Tombs in the Hexi Corridor.” Asian Studies 7, Nr. 2 (2019): 47–86. journals.uni-lj.si.
- Wu Hung. The Wu Liang Shrine: The Ideology of Early Chinese Pictorial Art. Stanford University Press, 1989.
- Museum der Autonomen Region Xinjiang der Uiguren. Astana Fuxi and Nüwa silk painting (1965 ausgegraben).
- National Museum of Korea. Painting of Fuxi and Nuwa, Astana, Ōtani-Sammlung.
- Deckenmalerei aus dem Grab des Bu Qianqiu, Museum der antiken Gräber von Luoyang. Google Arts & Culture.
- Li Ling und Constance A. Cook. “Translation of the Chu Silk Manuscript.” In Defining Chu, hrsg. von Constance A. Cook und John S. Major. University of Hawai’i Press, 1999.
- 홍윤희 (Hong Yunhee). 〈人首蛇身 交尾像과 실크로드에 대한 再考〉. 중국어문학논집 78 (2013): 463–484.
Mythologie und Vergleich #
- Yang Lihui und An Deming, mit Jessica Anderson Turner. Handbook of Chinese Mythology. ABC-CLIO, 2005.
- Birrell, Anne. Chinese Mythology: An Introduction. Johns Hopkins University Press, 1993.
- Allan, Sarah. The Shape of the Turtle: Myth, Art, and Cosmos in Early China. SUNY Press, 1991.
- Witzel, E. J. Michael. The Origins of the World’s Mythologies. Oxford University Press, 2012.
- Genesis 2–4; Genesis Rabbah 20:11.
- Herodot, Histories 4.8–10; Apollodor, Library 3.14.1; Athenaios, Deipnosophists 13.555d; Hesiod, Theogony 295–305.
- Cutler, Andrew. “Eve Theory of Consciousness v3.0.” Vectors of Mind.
Erstpaare und Weltschlangen: Primärtexte #
- Rigveda 10.10 (Yama und Yamī), übers. von Stephanie W. Jamison und Joel P. Brereton, The Rigveda. Oxford University Press, 2014.
- Aitareya Brāhmaṇa 3.33, übers. von Martin Haug, 1863; Śatapatha Brāhmaṇa 1.7.4.1, übers. von Julius Eggeling, SBE 12, 1882; Matsya Purāṇa 3; Viṣṇu Purāṇa 2.5, übers. von H. H. Wilson, 1840; Udāna 2.1.
- Bundahišn 3.11–15 und 15.1–22, übers. von E. W. West, Pahlavi Texts I, SBE 5, 1880.
- Plutarch, On Isis and Osiris 12; Totenbuch, Spruch 175.
- Enki and Ninhursaga, Electronic Text Corpus of Sumerian Literature 1.1.1; Kramer, Samuel Noah. Enki and Ninhursag: A Sumerian “Paradise” Myth. BASOR Supplementary Studies 1, 1945.
- George, Andrew R. The Babylonian Gilgamesh Epic. Oxford University Press, 2003 (Tafel XI, die Pflanze und die Schlange).
- Hesiod, Theogony 126–133, 453–457, 921; Apollonios von Rhodos, Argonautica 1.496–511, übers. von R. C. Seaton; Schibli, Hermann S. Pherecydes of Syros. Oxford University Press, 1990; Graves, Robert. The Greek Myths. Penguin, 1955, §1.
- Damascius, De principiis 123–124; Athenagoras, Legatio 18 (hieronymische Theogonie).
- Livius, Periochae 11; Ovid, Metamorphoses 15.622–744; Hyginus, Astronomica 2.14 (Asklepios).
- Snorri Sturluson, Edda: Gylfaginning 5, 34, 51, übers. von Anthony Faulkes. Everyman, 1987.
- Irenäus, Against Heresies 1.30.15; Hippolyt, Refutation of All Heresies 5.6–11; Epiphanius, Panarion 37.5.6–7, übers. von Frank Williams, 2. Aufl. Brill, 2009.
- Leyenda de los Soles (1558), in Bierhorst, John. History and Mythology of the Aztecs: The Codex Chimalpopoca. University of Arizona Press, 1992; Sahagún, Bernardino de. Florentine Codex, Buch 3, übers. von Arthur J. O. Anderson und Charles E. Dibble.
- Christenson, Allen J. Popol Vuh: The Sacred Book of the Maya. O Books, 2003; University of Oklahoma Press, 2007.
- Herskovits, Melville J. Dahomey: An Ancient West African Kingdom. 2 Bde. J. J. Augustin, 1938; Herskovits, Melville J., und Frances S. Herskovits. Dahomean Narrative. Northwestern University Press, 1958; Bosman, Willem. A New and Accurate Description of the Coast of Guinea. London, 1705.
Schlangen, Mythos und Überlieferung #
- Radcliffe-Brown, A. R. “The Rainbow-Serpent Myth of Australia.” Journal of the Royal Anthropological Institute 56 (1926): 19–25. doi:10.2307/2843596.
- Elkin, A. P. Aboriginal Men of High Degree. Australasian Publishing, 1945.
- Warner, W. Lloyd. A Black Civilization: A Social Study of an Australian Tribe. Harper, 1937.
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Wang Yis Glosse (
女媧人頭蛇身,一日七十化) ist die Quelle der Zeile, die häufig fälschlich so zitiert wird, als stamme sie aus dem Tianwen selbst. Das Gedicht fragt lediglich, wer Nüwas Körper formte. Die Unterscheidung ist für die Datierung wichtig: Der Schlangenkörper ist ab der Östlichen Han-Zeit sicher belegt (Wang Yi, Wang Yanshou, Grabkunst), nicht im Text aus der Zeit der Streitenden Reiche. ↩︎Das Fengsu tongyi ist nur unvollständig überliefert. Die Passage zur gelben Erde (
女媧摶黃土作人) und die Passage zum Ehestifter sind durch Zitate im Taiping yulan und in späteren Kompilationen bekannt; daher werden sie Ying Shao zugeschrieben, statt sie einem vollständig erhaltenen Text zu entnehmen. ↩︎Ruey Yih-fu 芮逸夫, “Miaozu de hongshui gushi yu Fuxi Nüwa de chuanshuo” 苗族的洪水故事與伏羲女媧的傳說, Renleixue jikan 1, Nr. 1 (1938). ↩︎
Wen Yiduo 聞一多, “Fuxi kao” 伏羲考, Anfang der 1940er Jahre verfasst und in Shenhua yu shi 神話與詩 (Beijing, 1956) gesammelt. Seine Kürbisetymologie ist suggestiv, aber nicht bewiesen. Die ethnografische Verbindung zwischen dem Paar und dem Kürbis-Flut-Zyklus hängt nicht davon ab. ↩︎
Witzels Modell ist weit gefasst und methodisch kritisiert worden. Sein Wert liegt hier darin zu zeigen, dass auch Komparatisten, die von sehr unterschiedlichen Prämissen ausgehen, die Sequenz von Erstepaar und Schlange als strukturierte Einheit quer durch Eurasien erkennen. ↩︎