Kurzfassung

  • Frühe Homo-Arten entwickelten schon lange vor den modernen Menschen anspruchsvolle Werkzeuge aus mehreren Komponenten, darunter geschäftete Äxte, Kompositspeere und komplexe Klebstoffe.
  • Die ältesten geschäfteten Äxte (46.000–49.000 Jahre alt) stammen aus Australien und stellen eurozentrische Annahmen über technologische Innovation infrage.
  • Die Technologie der Speere reicht 400.000–500.000 Jahre zurück; sowohl hölzerne als auch steinbewehrte Varianten wurden von Homo heidelbergensis und Neandertalern verwendet.
  • Pfeil und Bogen entstanden in Afrika vor etwa 70.000 Jahren und verschafften den modernen Menschen einen erheblichen Vorteil bei der Jagd.
  • Symbolische Werkzeuge wie gravierte Artefakte und persönlicher Schmuck traten bereits vor 500.000 Jahren auf; einige davon werden Homo erectus zugeschrieben.
  • Komplexe Holzbearbeitung und die Errichtung von Strukturen fanden bereits vor 476.000 Jahren bei den Kalambo Falls in Sambia statt.
  • Diese Innovationen zeugen von ausgeprägter Planung, Materialkenntnis und kognitiven Fähigkeiten bei frühen menschlichen Vorfahren.

Die frühesten komplexen Werkzeuge der Gattung Homo#

Frühe Mitglieder der Gattung Homo entwickelten bereits lange vor dem Auftreten der modernen Menschen eine Vielzahl komplexer Werkzeuge. Diese Werkzeuge umfassten häufig mehrere Komponenten oder anspruchsvolle Herstellungstechniken, die über einfache Steinabschläge hinausgingen. Im Folgenden werden zentrale Kategorien früher komplexer Werkzeuge – sowohl für die Jagd als auch für andere Zwecke – sowie ihre Beschreibungen, geschätzten Erfindungsdaten, maßgeblichen archäologischen Entdeckungen und wissenschaftlichen Debatten über ihre Interpretation vorgestellt.

Geschäftete Äxte (Kompositäxte mit Griffen)#

Geschäftete Äxte sind Schneidwerkzeuge, bei denen eine geschärfte Steinklinge an einem Holzgriff befestigt wird, wodurch ein zusammengesetztes Gerät entsteht. Dieses Design erhöht die Hebelwirkung und Schlagkraft des Werkzeugs im Vergleich zu einem bloß in der Hand gehaltenen Stein erheblich, erfordert jedoch eine komplexe Herstellung (die Formgebung eines haltbaren Griffs sowie die Befestigung des Steins mit Bindematerialien oder Klebstoffen). Die ältesten bekannten geschäfteten Äxte stammen aus dem späten Pleistozän. Ein winziges poliertes Steinfragment aus der Windjana Gorge in Australien wurde als Teil einer geschliffenen Axt identifiziert, die vor 46.000–49.000 Jahren verwendet wurde; dies deutet auf eine an einem Griff befestigte Steinklinge hin. Dieser Fund ist der weltweit älteste Beleg für Äxte mit Griff und geht anderen Beispielen um mehrere tausend Jahre voraus. Eine weitere australische Fundstelle im Arnhem Land erbrachte eine geschliffene Axt, die auf etwa ~35.000 Jahre datiert wird; in Japan ist die unabhängige Erfindung von Äxten um 38.000 Jahre (MIS3, frühes Jungpaläolithikum) belegt. In den meisten Teilen Afrikas und Eurasiens treten Steinäxte mit Griffen hingegen erst deutlich später auf – häufig mit der Ausbreitung der Landwirtschaft im Holozän (nach ~10.000 Jahren).

Wichtige Entdeckungen:

  • Windjana Gorge (Australien) – Poliertes Axtfragment, 46–49 kya, älteste bekannte geschäftete Axt.
  • Jawoyn Country (Australien) – Vollständige geschliffene Äxte, 35,4±0,4 kya, einige der weltweit frühesten.
  • Japanischer Archipel – Äxte mit geschliffener Schneide in jungpaläolithischen Schichten, ~38–32 kya, zeitgleich mit den ersten modernen Menschen in Japan.
  • Neolithisches Europa – Weitverbreitete Verwendung von Steinäxten mit hölzernen Schäften ~10–7 kya als Teil landwirtschaftlicher Werkzeugsätze (z. B. zum Fällen von Bäumen).

Debatten und Interpretation: Die überraschend frühen australischen Äxte haben die eurozentrische Annahme infrage gestellt, komplexe Werkzeuge seien zuerst in Europa entstanden. Forschende schließen daraus, dass innovative Werkzeugherstellung dort entstand, wo sie benötigt wurde: So erfanden die frühen Australier Äxte wahrscheinlich, um in einer Umgebung mit wenig Bambus Harthölzer zu bearbeiten. Das scheinbare Fehlen geschäfteter Äxte an älteren afrikanischen und eurasischen Fundstellen könnte dagegen auf eine Erhaltungsbias zurückzuführen sein (Holzgriffe bleiben nur selten erhalten) oder auf eine tatsächliche technologische Verzögerung. Bemerkenswert ist, dass die Schäftungstechnologie selbst – also die Befestigung von Steinwerkzeugen an Griffen – lange vor den eigentlichen „Äxten“ existierte. Neandertaler und andere archaische Menschen befestigten spätestens vor 200.000 Jahren Steinabschläge an Holz, wie Rückstände von Birkenpech auf Werkzeugen aus dem Mittelpleistozän zeigen. Bei diesen früheren geschäfteten Werkzeugen handelte es sich jedoch typischerweise um Schaber oder Speerspitzen und nicht um die später auftretenden geschliffenen oder polierten Hackäxte. Ob Gruppen vor Homo sapiens axtähnliche Beile herstellten, ist unklar; bislang besteht Konsens darüber, dass echte geschäftete Äxte (mit schweren Köpfen und polierten oder geschliffenen Schneiden) eine Innovation von Homo sapiens im späten Pleistozän darstellen.

Speere (Stoß- und Wurfspeere)#

Speere gehören zu den ältesten Homo zugeschriebenen Jagdwaffen. Sie bestehen aus einem zugespitzten Schaft oder einem Schaft mit einer Spitze aus Stein oder Knochen. Sie stellen einen bedeutenden Sprung in der Komplexität und der Jagdstrategie dar, da sie es den Menschen ermöglichten, Beute aus sichererer Entfernung zu treffen. Die einfachste Form ist der feuergehärtete Holzspeer, der auf kurze Distanz zum Zustoßen verwendet wurde. Der früheste direkte Beleg für Speere stammt aus dem Mittelpleistozän. Eine hölzerne Speerspitze aus Clacton-on-Sea in England ist etwa 400.000 Jahre alt und gilt als Teil eines zugespitzten Holzspeers, der von Homo heidelbergensis hergestellt wurde. Noch eindrucksvoller sind die acht hölzernen Speere aus Schöningen in Deutschland, die auf 300.000–337.000 Jahre datiert werden und zwischen den Überresten zerlegter Pferde gefunden wurden. Diese gut ausbalancierten, zugespitzten Stäbe (über 2 Meter lang) wurden wahrscheinlich von Homo heidelbergensis oder frühen Neandertalern zur Jagd auf Großwild verwendet; ihre handwerkliche Ausführung deutet darauf hin, dass sie sowohl als speerähnliche Wurfspeere als auch als Stoßwaffen eingesetzt werden konnten.

Steinbewehrte Speere – Kompositwaffen, bei denen eine bearbeitete Steinspitze auf einem Holzschaft befestigt ist – treten bald darauf auf. In Kathu Pan 1 in Südafrika fanden Ausgräber Steinspitzen, die etwa 500.000 Jahre alt sind und Beschädigungen sowie Abnutzungsspuren aufweisen, die auf eine Verwendung als Speerspitzen hindeuten. Etwa 13 % der über 200 Spitzen an dieser Fundstelle zeigen Aufprallbrüche und eine Modifikation der Basis, was darauf hindeutet, dass sie an Schäften befestigt und dazu verwendet wurden, Beute zu stechen oder zu bewerfen. Wenn sich dies bestätigt, verschiebt sich der Beginn geschäfteter Jagdtechnologie um eine halbe Million Jahre zurück; dies würde bedeuten, dass ein gemeinsamer Vorfahr der modernen Menschen und der Neandertaler bereits komplexe Speere herstellte. Zuvor stammten die ältesten bekannten steinernen Speerspitzen aus Neandertaler-Kontexten in Europa (~300–200 kya), weshalb die Entdeckung von Kathu Pan bemerkenswert war. Weitere Funde sprechen ebenfalls für einen frühen Ursprung: So erbrachte die Fundstelle Gademotta in Äthiopien mögliche Obsidianspeerspitzen, die >275.000 Jahre alt sind, und Homo heidelbergensis hinterließ an Fundstellen wie Lehringen (Deutschland) um ~125 kya hölzerne Lanzenschäfte in Verbindung mit Elefantenknochen.

Wichtige Entdeckungen:

  • Speerspitze von Clacton (VK) – Zugespitzte Holzspitze, ~400 kya, älteste bekannte Speerspitze.
  • Speere von Schöningen (Deutschland) – Acht Holzspeere und ein Wurfholz, ~300 kya, vollständige Jagdwaffen in ihrem Fundkontext.
  • Kathu Pan 1 (Südafrika) – Steinspitzen mit Spuren der Schäftung, 500 kya, früheste Kompositspeere.
  • Verwendung von Speeren durch Neandertaler – Weitverbreitete Belege von 300–100 kya (z. B. Steinspitzen in Europa, ein Holzspeer aus Lehringen ~125 kya), die auf regelmäßige Jagd auf Großwild mit Speeren hindeuten.

Debatten und Interpretation: Es ist umstritten, wie frühe Menschen diese Speere verwendeten – waren sie in erster Linie Stoßwaffen oder auch geworfene Geschosse? Die Speere von Schöningen weisen beispielsweise eine Gewichtsverteilung und eine konische Form auf, die für Wurfspeere sprechen. Dies hat einige Forschende zu der Annahme geführt, dass sie dazu bestimmt waren, auf Distanz geworfen zu werden, und nicht nur als Piken dienten. Dies würde auf weitaus ausgefeiltere Jagdstrategien hindeuten, als man früher angenommen hatte. Experimente zeigen jedoch, dass solche Holzspeere sowohl auf kurze Distanz als auch aus mäßiger Entfernung wirksam sein konnten, und Abnutzungsmuster können mehrdeutig sein. Die Steinspitzen von Kathu Pan haben eine erhebliche Kontroverse ausgelöst. Wilkins et al. (2012) argumentierten, ihre Beschädigungen bestätigten Aufprall durch Speere; eine spätere Analyse von Rots und Plisson (2014) stellte jedoch infrage, ob die Abnutzung für eine Verwendung als Speerspitzen diagnostisch ist oder auch durch andere Tätigkeiten entstanden sein könnte. Diese Skepsis verdeutlicht die Schwierigkeit, in der fernen Vergangenheit Speerjagd von anderen Verwendungen der Werkzeuge zu unterscheiden. Dennoch besteht Konsens darüber, dass geschäftete Speertechnologie bereits im mittleren Mittelpleistozän genutzt wurde. Auch die kognitiven Implikationen sind umstritten: Wenn Homo heidelbergensis vor 300–500 kya Speere entwickelte, deutet dies auf beträchtliche Planung und Materialkenntnis hin (etwa bei der Auswahl des Speerholzes und der Befestigung der Spitzen) und verringert die Verhaltensdifferenz zwischen diesen Vorfahren und dem späteren Homo sapiens. Einige Forschende vertreten die Auffassung, dass sich Geschosswaffen in zwei Phasen entwickelten: zunächst das Aufkommen handgeworfener oder gestoßener Speere vor einer halben Million Jahren; erst viel später entstanden mit den modernen Menschen echte Fernwaffen (Pfeil und Bogen oder mit einer Speerschleuder geschleuderte Darts). Ob Neandertaler jemals mechanisch angetriebene Geschosse übernahmen, bleibt umstritten (siehe unten).

Pfeil und Bogen (Technologie mechanisch angetriebener Geschosse)#

Das Bogen-und-Pfeil-System ist eine zusammengesetzte Waffenform, die aus einem flexiblen Bogen (Holzstab mit Sehne) und leichten Geschossen (Pfeilen) mit zugespitzten Spitzen besteht. Diese Technologie ist weit komplexer als Speere: Sie erfordert die Herstellung eines unter Spannung stehenden Bogens und befiederter Pfeile und zeugt von der Fähigkeit, elastische Energie für den Antrieb zu speichern. Bögen erweitern Reichweite und Genauigkeit bei der Jagd erheblich, doch ihre Bestandteile (Holz, Fasern, Federn) bleiben archäologisch nur selten erhalten. Daher stammen Hinweise auf frühes Bogenschießen überwiegend von Pfeilspitzen aus Stein oder Knochen und von Abnutzungsspuren. Archäologen stimmen im Allgemeinen darin überein, dass die Bogen-und-Pfeil-Technologie während der jüngeren Mittelsteinzeit in Afrika entstand, lange vor der Landwirtschaft. Die frühesten Hinweise sind Steinspitzen und kleine Klingen, die wahrscheinlich vor etwa 70.000–60.000 Jahren (kya) als Pfeilspitzen verwendet wurden. In der Sibudu-Höhle (Südafrika) identifizierten Forscher sehr kleine dreieckige Steinspitzen (~<2 cm), die auf vor 64.000 Jahren datiert werden und Aufschlagbrüche sowie Harzrückstände aufweisen, die mit einer Verwendung als verschossene Pfeilspitzen vereinbar sind. Analytische Kriterien (Größe, Bruchbild und Verteilung der Abnutzung) legen stark nahe, dass diese Spitzen mit einem Bogen verschossen und nicht mit der Hand oder einer Speerschleuder geworfen wurden; damit erfüllen sie eine strenge Checkliste für antike Pfeile. Ebenso wurden in Schichten von Pinnacle Point (Südafrika, ~71 kya) und Border Cave (~60 kya) mikrolithische Segmente und Knochenspitzen gefunden, die als Bestandteile von Pfeilen oder Dartspitzen interpretiert werden und auf eine fortgeschrittene Geschosstechnologie schließen lassen.

Konkreter wird die Beweislage im Jungpaläolithikum. Kürzlich erbrachte ein Felsüberhang in Südfrankreich (Grotte Mandrin) Dutzende winziger Feuersteinspitzen, die etwa 54.000 Jahre alt sind und nach experimentellen Tests von frühen modernen Menschen als Pfeilspitzen verwendet wurden. Dieser Fund ist der älteste Nachweis von Pfeil und Bogen in Europa und zeigt, dass Homo sapiens das Bogenschießen weit vor 50 kya auf den Kontinent brachte. (Zuvor bestand der älteste europäische Nachweis des Bogenschießens aus einer Gruppe erhaltener, ~12.000 Jahre alter Pfeile aus Stellmoor, Deutschland.) Im frühen Holozän (nach ~10 kya) war die Jagd mit Pfeil und Bogen weltweit verbreitet, wie Funde wie die Holmegaard-Bögen (Dänemark, ~8 kya) und zahlreiche mesolithische sowie spätere Pfeilschäfte belegen.

Wichtige Entdeckungen:

  • Sibudu-Höhle (Südafrika) – Rückenretuschierte Pfeilspitzen aus Feuerstein und Quarz mit Abnutzungs- und Haftmittelspuren, 64 kya, früheste erschlossene Bogennutzung.
  • Pinnacle Point (Südafrika) – Mikrolithische Klingen (Howiesons-Poort-Industrie), möglicherweise mit Bögen oder Speerschleudern verwendet, 71 kya.
  • Grotte Mandrin (Frankreich) – Feuersteinpfeilspitzen in einer H. sapiens-Schicht, 54 kya, frühester europäischer Nachweis von Pfeil und Bogen.
  • Mehrere spätere Fundstellen – So erbrachte etwa die Blombos-Höhle (Südafrika, ~73 kya) eine mögliche Pfeilspitze aus Knochen, die Contrebandiers-Höhle (Marokko, ~90 kya) kleine Spitzen (deren Interpretation als Pfeilspitzen umstritten ist), und in Stellmoor (Deutschland, ~12 kya) blieben tatsächliche Holzpfeile erhalten, was die weite Verbreitung des Bogenschießens im Spätglazial bestätigt.

Debatten und Interpretation: Die Feststellung, dass es in der tiefen Vorgeschichte Bögen gab, stützt sich auf indirekte Belege; deshalb konzentriert sich die wissenschaftliche Debatte auf die richtige Interpretation der Steinspitzen. Eine Kontroverse betrifft die Unterscheidung zwischen Pfeilspitzen und Speerspitzen oder geworfenen Darts – im Allgemeinen sind Pfeilspitzen kleiner und leichter und weisen oft Aufschlagschäden auf, die auf einen Aufprall mit hoher Geschwindigkeit hindeuten. Kritiker weisen darauf hin, dass kleine Spitzen auch Speerspitzen für die Jagd auf Kleinwild mit Speerschleudern (Atlatls) gewesen sein könnten und nicht mit Bögen verwendet worden sein müssen. So könnten beispielsweise die afrikanischen Belege aus der Zeit um ~70 kya auf die eine oder die andere Technologie hindeuten; tatsächlich vertreten einige Forscher die Auffassung, dass H. sapiens jener Zeit Geschosswaffen besaß, jedoch ungewiss bleibt, ob es sich um Bögen oder Speerschleudern handelte. Dennoch neigt der Konsens angesichts der winzigen Größe einiger Spitzen und spezifischer Bruchmuster zur Annahme einer Bogennutzung in Afrika um ~70–60kya. Eine weitere Debatte betrifft die Frage, ob Neandertaler jemals eine Bogen-und-Pfeil-Technologie entwickelten. Bis heute wurde kein eindeutiger Nachweis für das Bogenschießen der Neandertaler gefunden. An Neandertalerfundstellen fehlen die kleinen spezialisierten Spitzen, und ihre bekannten Jagdwaffen waren mit der Hand geworfene Speere. Diese Diskrepanz hat die Hypothese genährt, dass das Bogenschießen (ebenso wie Speerschleudern) den modernen Menschen bei der Jagdeffizienz einen Wettbewerbsvorteil verschaffte und möglicherweise dazu beitrug, dass H. sapiens die Neandertaler in Europa verdrängte. Einige mahnen zur Vorsicht, dass das Fehlen von Belegen kein Beleg für das Fehlen sei – Neandertaler könnten gelegentlich einfache Bögen verwendet haben, die keine Spuren hinterließen –, doch die vorherrschenden Auffassungen gehen davon aus, dass Pfeil und Bogen eine Innovation des modernen Menschen waren. Das Thema wird durch neue Funde weiter präzisiert, etwa durch die Entdeckung in Mandrin, die bekräftigt, wie früh H. sapiens komplexe Geschosstechnologien parallel auf verschiedenen Kontinenten beherrschte.

Werkzeuge und Geräte zur Holzbearbeitung#

Neben Jagdwaffen stellten frühe Homo-Arten Werkzeuge zur Holzbearbeitung her und errichteten sogar Bauwerke, was komplexes Verhalten beim Einsatz von Werkzeugen und bei der Planung widerspiegelt. „Werkzeuge zur Holzbearbeitung“ bezeichnet hier sowohl Werkzeuge, die zur Bearbeitung von Holz verwendet wurden (Steinbeile, Dechseln, Meißel usw.), als auch die bearbeiteten Holzobjekte selbst (Grabstöcke, Bauhölzer). Holz ist vergänglich, daher sind die Belege spärlich; doch außergewöhnliche Fundstellen zeigen, dass Homininen sehr früh Holz bearbeiteten. Das älteste bekannte Holzartefakt ist ein etwa 780.000 Jahre altes Fragment eines Brettes aus Gesher Benot Ya’aqov in Israel, das wahrscheinlich von Homo erectus oder heidelbergensis bearbeitet wurde. Im Mittelpleistozän treten mehrere Beispiele für Holzbearbeitung auf. In Kalambo Falls (Sambia) erbrachte eine wassergetränkte Fundstelle Holzbearbeitungsgeräte und Bauhölzer, die auf vor 476.000 Jahren datiert werden – darunter zwei massive Stämme, die eingekerbt und so angepasst worden waren, dass sie offenbar eine erhöhte Holzkonstruktion bildeten. Dieser bemerkenswerte, 2023 veröffentlichte Fund legt nahe, dass eine Art auf dem Niveau von Homo heidelbergensis vor einer halben Million Jahren Holz verband und bearbeitete, um eine Plattform oder einen Laufsteg zu errichten. Die Stämme zeigen gezielte Zimmermannsarbeit: In einen Stamm war eine Kerbe eingearbeitet worden, während der andere so geformt war, dass er als Stütze ineinandergreifend passte und Bewegungen verhinderte. Eine solche Konstruktion setzt Planung, geeignete Werkzeuge (wahrscheinlich große steinerne Handäxte, die als Dechseln oder Keile verwendet wurden) und möglicherweise ein semisedentäres Lager voraus. In Kalambo Falls blieben außerdem hölzerne Grabstöcke und ein Keil aus Schichten erhalten, die ~390.000 Jahre alt sind; bereits bei Ausgrabungen in den 1960er-Jahren wurde dort ein zugespitztes Holzobjekt (wahrscheinlich ein Grabstock) gefunden. Diese Werkzeuge wurden wahrscheinlich zum Ausgraben essbarer Wurzeln oder Knollen und zur Bearbeitung anderer Materialien verwendet.

Auch Neandertaler waren geschickte Holzbearbeiter. Die Fundstelle Poggetti Vecchi in Italien (datiert auf ~171.000 Jahre vor heute, aus der frühen Neandertalerzeit) enthielt Dutzende hölzerner Geräte, die im Torfboden bemerkenswert gut erhalten waren. Die meisten waren kräftige Grabstöcke aus Buchsbaum von etwa 1 Meter Länge; ein Ende war als Griff abgerundet, das andere zu einer stumpfen Spitze verjüngt. Schnittspuren und Riefen auf diesen Stöcken zeigen, dass sie mit Steinwerkzeugen geformt wurden; wichtig ist zudem, dass viele oberflächliche Verkohlungen aufweisen, was auf den kontrollierten Einsatz von Feuer zur Unterstützung der Holzbearbeitung hindeutet. Neandertaler-Handwerker verkohlten das Holz wahrscheinlich, um es weicher zu machen, schabten anschließend die Rinde ab und formten die Stöcke – eine Technik, die von traditionellen Holzhandwerkern noch heute verwendet wird, um Spitzen zu härten oder Astknoten zu entfernen. Diese Stöcke aus Poggetti Vecchi wurden wahrscheinlich zur Nahrungssuche (zum Ausgraben von Wurzeln, Knollen oder Insekten) und möglicherweise zur Jagd auf Kleinwild verwendet und belegen eine systematische Herstellung von Holzwerkzeugen. Andernorts fertigten Neandertaler ebenfalls Stoßspeere aus Holz (wie bereits erwähnt) und gelegentlich andere Holzgeräte; so wurde beispielsweise von der Fundstelle Abric Romani (Spanien) ein möglicher Holzgriff gemeldet, und in Molodova (Ukraine) wurde ein 50.000 Jahre altes geschnitztes Holzartefakt (dessen Funktion ungewiss ist) gefunden.

Frühe Homo sapiens erweiterten die Holzbearbeitung durch neue Werkzeuge. Die geschliffenen und polierten Steinbeile spätpleistozäner Menschen (z. B. in Australien und Japan, ~40–35 kya, wie oben erörtert) wurden fast sicher für schwere Holzbearbeitungsaufgaben wie das Fällen von Bäumen oder das Aushöhlen von Stämmen verwendet. Abnutzungsanalysen einiger afrikanischer Werkzeuge aus der Mittelsteinzeit (z. B. großer acheuléischer Handäxte und späterer Picken) zeigen Spuren des Schneidens und Schnitzens von Holz und legen nahe, dass Menschen auch ohne formale „Äxte“ Steinwerkzeuge zur Herstellung hölzerner Geräte einsetzten. In Ostasien wurden bei einer jüngeren Entdeckung in China (Region Guangxi) perforierte steinerne „Dechseln“ aus der Zeit um ~45 kya gemeldet, die möglicherweise geschäftet und zum Hacken von Holz verwendet wurden, doch sind solche Funde selten. Im Jungpaläolithikum (~30–20 kya) fertigten Menschen in Europa regelmäßig Gegenstände aus Holz an, von Speeren und Schäften für Speerschleudern bis hin zu vermutlich häuslichen Gebrauchsgegenständen; doch auch hier ist die Erhaltung begrenzt (oft kennen wir sie aus Darstellungen in der Kunst oder aus indirekten Abnutzungsspuren an Steinwerkzeugen).

Wichtige Entdeckungen:

  • Gesher Benot Ya’aqov (Israel) – Poliertes Brettfragment, ∼780 kya, mögliche Holzkonstruktion oder mögliches Holzwerkzeug (ältester Nachweis der Holznutzung).
  • Kalambo Falls (Sambia) – Eingekerbte und verbundene Stämme (Bauholz) sowie Holzwerkzeuge (Keil, Grabstock), 476–300 kya, sehr frühe Zimmermannsarbeit durch H. heidelbergensis.
  • Schöningen (Deutschland) – Bearbeitete Holzspeere und ein Wurfholz, 300 kya, belegen komplexe Schnitzarbeit (und weisen außerdem auf die Verwendung von Werkzeugen zu ihrer Herstellung hin).
  • Poggetti Vecchi (Italien) – Feuergehärtete Grabstöcke aus Buchsbaum, 171 kya, von Neandertalern mit Steinwerkzeugen und Feuer hergestellt.
  • Fundstellen des frühen H. sapiens – z. B. Sunghir (Russland), ~30 kya, mit erhaltenen Schäften; Clacton (Vereinigtes Königreich), ~400 kya, mit Nachweisen der Feuerhärtung von Holz; zahlreiche Darstellungen der Nutzung von Holzwerkzeugen im Jungpaläolithikum.
  • Geschliffene Beile (weltweit) – z. B. Australien, 49 kya, und Japan, 38 kya: Diese Steinbeile zeugen in den betreffenden Regionen von einer hochentwickelten Holzbearbeitung (Fällen von Bäumen, Bau von Kanus usw.).

Debatten und Interpretation: Entdeckungen wie die Kalambo Falls haben die Erzählung von frühen Menschen als rein nomadischen Aasfressern neu geschrieben – stattdessen investierten manche Gruppen bereits vor einer halben Million Jahren Aufwand in die Errichtung stabiler Strukturen und die Herstellung von Werkzeugen, was auf eine längere Besiedlung von Fundplätzen und vorausschauende Planung hindeutet. Eine daraus hervorgehende Debatte betrifft die Frage, wie kognitiv und kulturell fortgeschritten diese frühen Menschen waren. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass die Belege für Holzbearbeitung und den Einsatz von Feuer bei der Werkzeugherstellung (wie in Poggetti Vecchi) ein Maß an Voraussicht und Geschicklichkeit zeigen, das sich des modernen Menschen annähert. Andere warnen vor einer Überinterpretation: Einfache Holzstrukturen oder -werkzeuge könnten keine vollständig moderne Kognition voraussetzen und von verschiedenen Gruppen unter dem Druck ihrer Umwelt unabhängig voneinander erfunden worden sein. Außerdem gibt es eine anhaltende taphonomische Debatte – unterschätzen wir die Rolle von Holz in paläolithischen Technologien, weil Holz nur selten erhalten bleibt? Fast sicher ja: Steinwerkzeuge könnten nur einen Bruchteil des Werkzeugbestands ausmachen, während vergängliche Holzgeräte an den meisten Fundplätzen fehlen. So deutet beispielsweise die Tatsache, dass Faustkeile an acheuléischen Fundplätzen zahlreich waren, darauf hin, dass die Holzbearbeitung zu ihren wichtigsten Verwendungszwecken gehörte (das Hacken von Holz oder die Formung von Holzwerkzeugen), selbst wenn wir das bearbeitete Holz selbst nur selten finden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neue Funde die Zeitstellung der Holzbearbeitung durch Homininen und sogar der Errichtung von Bauwerken immer weiter zurückverlegen und damit hervorheben, dass das technologische Repertoire des frühen Homo reicher war, als es allein die Steinartefakte erkennen lassen.

Symbolische und künstlerische Werkzeuge#

Mitglieder der Gattung Homo stellten nicht nur Werkzeuge zur Sicherung des Lebensunterhalts her, sondern schufen ab dem Mittelpleistozän auch Objekte mit symbolischen oder ästhetischen Zwecken. Dazu gehören gravierte Artefakte, Pigmentapplikatoren, persönlicher Schmuck und andere Gegenstände, deren primäre Funktion eher kommunikativ oder dekorativ als utilitär war – im Grunde die „Werkzeuge“ von Kunst und Symbolik. Die Identifizierung symbolischen Verhaltens in der tiefen Vergangenheit ist umstritten, doch mehrere Entdeckungen weisen auf überraschend alte Ursprünge dieses kulturellen Aspekts hin. Die älteste bekannte abstrakte Gravur im archäologischen Befund wird Homo erectus zugeschrieben: eine Muschel aus Trinil (Java, Indonesien), in die ein absichtliches Zickzackmuster eingeritzt wurde und die auf ein Alter von 430.000 bis 540.000 Jahren datiert wird. Diese Muschel (eine Süßwassermuschel der Gattung Pseudodon) wurde ursprünglich von Eugène Dubois gesammelt und 2014 von Joordens et al. erneut untersucht. Eine mikroskopische Analyse bestätigte, dass das geradlinige Zickzackmuster mit einem scharfen Werkzeug eingeschnitten worden war und nicht auf Tieraktivität oder Beschädigung zurückging. Der Zweck der Gravur ist unbekannt – sie könnte Kunst um der Kunst willen gewesen sein oder als Markierung gedient haben –, doch ihre Existenz „schreibt die Menschheitsgeschichte neu“, da sie zeigt, dass H. erectus (dem man lange Zeit Symbolfähigkeit absprach) bereits vor einer halben Million Jahren geometrische Muster anfertigte. Dieser Fund verschob den Zeitpunkt der ältesten bekannten Gravuren um Hunderttausende von Jahren zurück. Zuvor galten Objekte wie gravierte Ockerblöcke aus der Blombos-Höhle (~75 kya) sowie eingeritzte Knochen oder Muscheln ~100 kya, die mit frühem H. sapiens oder Neandertalern in Verbindung gebracht werden, als die ältesten. Die Muschel von Trinil ist ein Beleg dafür, dass die kognitiven Grundlagen der Kunst auf unseren gemeinsamen Vorfahren mit H. erectus zurückgehen könnten.

Im späteren Mittelpaläolithikum treten bei Neandertalern und frühen modernen Menschen klare Beispiele für Symbolik auf. In der Cueva de los Aviones in Spanien fanden Archäologen durchbohrte Muschelperlen und Pigmentklumpen (roten und gelben Ocker) in Schichten, die auf ein Alter von 115.000–120.000 Jahren datiert werden – lange bevor moderne Menschen Europa erreichten. Diese Muscheln (meist marine Mollusken) waren absichtlich mit Pigment gefärbt worden und weisen Löcher auf, die darauf hindeuten, dass sie zu Halsketten oder Anhängern aufgereiht wurden. João Zilhão und seine Kollegen, die über sie berichteten, zufolge sind „die Funde von Aviones die ältesten derartigen Objekte persönlichen Schmucks, die irgendwo auf der Welt bekannt sind“. Sie sind 20–40 tausend Jahre älter als die frühesten afrikanischen Perlenarbeiten, was stark darauf hindeutet, dass Neandertaler sie herstellten. In ähnlicher Weise bearbeiteten Neandertaler in Krapina (Kroatien) ~130 kya Adlerkrallen mit Schnittspuren und Politur; vermutlich verwendeten sie sie als Krallen an einer Halskette oder als Schmuckstück – ein weiteres Beispiel für symbolischen Schmuck, der häufig ihnen zugeschrieben wird. Am eindrucksvollsten sind vielleicht die kürzlich datierten Höhlenmalereien in Spanien: Rot gemalte Symbole (Linien, Punkte, Handnegative) an den Höhlenwänden mehrerer Fundplätze (La Pasiega, Maltravieso, Ardales) weisen aufgrund der Uranreihendatierung des darüberliegenden Kalzits ein Mindestalter von 64.000 Jahren auf. Wenn diese Datierungen zutreffen, müssen die Malereien von Neandertalern angefertigt worden sein, da moderne Menschen zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Europa waren. Dies würde Neandertaler eindeutig als die ersten Höhlenkünstler etablieren. Die 2018 veröffentlichte These ist umstritten (siehe unten), steht jedoch im Einklang mit anderen Belegen für die symbolischen Fähigkeiten der Neandertaler.

Unterdessen produzierten frühe Homo sapiens in Afrika und im Nahen Osten ab etwa 100.000 Jahren oder früher eine Reihe symbolischer Artefakte. Beispiele sind die gravierten Ockerplättchen aus der Blombos-Höhle (Südafrika), die auf 75–100 kya datiert werden. Diese Ockerstücke tragen eingeritzte Kreuzschraffurmuster und gelten weithin als absichtsvolle abstrakte Kunst oder Notation. Aus Blombos stammen außerdem etwa 70–75 kya datierte Perlen aus Meeresschnecken (Nassarius-Schalen mit Durchbohrungen und Abnutzungsspuren), die auf persönlichen Schmuck hindeuten. Andere nordafrikanische Fundplätze wie Taforalt und die Contrebandiers-Höhle (Marokko) haben ähnliche Perlen aus der Zeit ~80–110 kya geliefert. In der Levante erbrachten die Höhlen von Skhul und Qafzeh (Israel) Muscheln mit Löchern und Pigmentspuren, datiert auf ~100–135 kya, die als Anhänger früher moderner Menschen interpretiert werden. Um ~40–50 kya (der Revolution des Jungpaläolithikums) werden symbolische Artefakte zahlreich – aufwendige Höhlenmalereien, geschnitzte Figuren (z. B. Elfenbeintiere und der Löwenmensch von Hohlenstein-Stadel ~40 kya), Musikinstrumente (Knochenflöten ~40 kya) sowie vielfältiger persönlicher Schmuck und dekorative Werkzeuge finden sich in ganz Eurasien. Im Mittelpunkt stehen hier jedoch die frühesten Anzeichen eines solchen Verhaltens, an denen interessanterweise auch archaische Menschen beteiligt waren.

Wichtige Entdeckungen:

  • Gravierte Muschel von Trinil (Java) – Geometrisches Zickzackmuster, das in eine Molluskenschale eingeritzt wurde, 430–540 kya, hergestellt von Homo erectus.
  • Bilzingsleben (Deutschland) – Möglicherweise gravierter Elefantenknochen mit Kreuzschraffur, ~370 kya, H. heidelbergensis zugeschrieben (obwohl die Spuren als natürlich umstritten sind).
  • Cueva de los Aviones (Spanien) – Bemalte und durchbohrte Muschelperlen mit Ocker, 115 kya, persönlicher Schmuck der Neandertaler.
  • Adlerkrallen von Krapina (Kroatien) – Acht Adlerkrallen mit Schnittspuren, 130 kya, die von Neandertalern vermutlich als Schmuck aufgereiht wurden.
  • Spanische Höhlenkunst (verschiedene Fundplätze) – Rote Ockermalereien in Höhlen (abstrakte Formen, Handnegative), ≥64 kya, mit der These einer Urheberschaft durch Neandertaler.
  • Ocker und Perlen aus der Blombos-Höhle (Südafrika) – Gravierte Ockerblöcke und Muschelperlen, 75–80 kya, einige der frühesten symbolischen Artefakte von H. sapiens.
  • Weitere frühe Symbole: gravierte Behälter aus Straußeneierschalen (Diepkloof, Südafrika, ~60 kya), geschnitzte Knochenahlen und möglicherweise Pigment-„Buntstifte“ (verschiedene MSA-Fundplätze) sowie die weite Verbreitung von Ockerpigmenten (z. B. in Pinnacle Point, Südafrika, ~164 kya; Belege für die Verarbeitung von Ocker, wahrscheinlich zur symbolischen oder kosmetischen Verwendung).

Debatten und Interpretation: Die Fähigkeit zum symbolischen Denken – die häufig als Kennzeichen modernen menschlichen Verhaltens gilt – ist in der Paläoanthropologie heftig umstritten. Die oben angeführten Belege haben zu einer Neubewertung der Neandertaler und sogar von H. erectus geführt. Viele Forscher argumentieren heute, dass Neandertaler in dieser Hinsicht kognitiv nicht von frühen modernen Menschen zu unterscheiden waren. Die durchbohrten Muscheln und möglicherweise auch ihre Höhlenkunst legen eine unabhängige Erfindung symbolischer Kultur nahe, nicht bloß eine Übernahme von modernen Menschen. Wenn dem so ist, könnten die Wurzeln der Symbolik in unserem gemeinsamen Vorfahren ~500kya liegen, was bedeuten würde, dass die geistige Fähigkeit zu Kunst und Notation lange vor ihrer Entfaltung latent vorhanden war. Andere mahnen zur Vorsicht. Skeptiker der Neandertaler-Höhlenkunst weisen darauf hin, dass die Datierung von Höhlenmineralen ein Mindestalter ergibt, die Zuschreibung der Kunst an Neandertaler statt an anatomisch moderne Menschen (AMH) jedoch die Gewissheit voraussetzt, dass AMH abwesend waren – während 64k vor der weiten Verbreitung von AMH in Europa liegt, vertreten einige die Auffassung, dass AMH bereits früher präsent gewesen sein könnten oder dass die Datierung eine ältere Mineralschicht und nicht die Kunst selbst widerspiegelt. Außerdem stellt sich immer wieder die Frage: Was gilt als „Kunst“ oder symbolische Nutzung? So etwa bei der Gravur der Muschel von Trinil – handelt es sich wirklich um absichtsvolle Kunst oder um eine bedeutungslose Kritzelei? Selbst ihre Entdecker gestehen ein, sie hätten „keine Ahnung von ihrer Bedeutung oder ihrem Zweck“. Ohne Kontext können wir nicht wissen, ob ein H. erectus die Muschel aus Langeweile oder im Rahmen eines Rituals zerkratzte. Ebenso könnten Ockerstücke als Pigment zur praktischen Tarnung des Körpers oder zum Gerben von Häuten verwendet worden sein und nicht als Körperbemalung mit symbolischer Bedeutung – die funktionale gegenüber der symbolischen Nutzung ist umstritten. Die Mehrheitsauffassung lautet jedoch, dass Homininen spätestens vor ~100k Jahren (und möglicherweise früher) Materialien konsistent auf nichtutilitäre, symbolische Weise verwendeten: Sie trugen Schmuck, schufen Abstraktionen und entfalteten künstlerische Verhaltensweisen, die nicht unmittelbar zum Überleben beitrugen. Besonders auffällig ist die Tatsache, dass die ältesten bekannten persönlichen Schmuckobjekte der Welt aus Neandertaler-Kontexten in Spanien stammen (~115kya) – dies stellt die ältere Vorstellung einer plötzlich um ~50kya stattfindenden „menschlichen Revolution“ infrage. Stattdessen scheint die Entstehung symbolischer Werkzeuge allmählich erfolgt zu sein, wobei verschiedene Homo-Linien über Hunderttausende von Jahren hinweg wichtige Meilensteine erreichten und weiterhin darüber debattiert wird, wer was und wann innovierte.

Weitere zusammengesetzte und mehrteilige Werkzeuge (Harpunen, Speerschleudern usw.)#

Frühe Menschen entwickelten außerdem eine Vielzahl weiterer komplexer Werkzeuge, die über die oben genannten Kategorien hinaus mehrere Komponenten oder mechanische Prinzipien miteinander verbanden. Zwei bemerkenswerte Klassen sind komplexe Jagdwaffen wie Harpunen und Speerschleudern sowie hochentwickelte Werkzeugausstattungen, die Mikrolithen und Klebstoffe umfassten.

Harpunen und Fischfanggeräte: Gegen Ende der Mittleren Steinzeit fertigten Menschen hochentwickelte Fischfangwaffen an. Ein bemerkenswerter Fund stammt aus Katanda (Semliki-Fluss), Demokratische Republik Kongo, wo mehrere Widerhakenspitzen aus Knochen in Schichten ausgegraben wurden, die etwa 90.000 Jahre alt sind. Diese aus Tierknochen geschnitzten Spitzen besitzen mehrere Widerhaken entlang des Schaftes und eine gesockelte Basis; sie waren so konstruiert, dass sie sich beim Auftreffen lösten – ein komplexes, spezialisiertes Design zum Aufspießen großer Fische. Tatsächlich wurden daneben Überreste von Welsen von beträchtlicher Größe gefunden, was darauf hindeutet, dass diese Harpunen dazu dienten, in den antiken afrikanischen Seen 5 Fuß (~1,5 m) lange und ~68 kg schwere Welse zu fangen. Die Harpunen von Katanda werden häufig als Beleg für die Fähigkeit früher moderner Menschen zu komplexen Subsistenzstrategien angeführt, da sie nicht nur handwerkliches Geschick voraussetzen, sondern auch die Planung gemeinschaftlicher Fischfangexpeditionen und Kenntnisse über die jahreszeitliche Verfügbarkeit aquatischer Ressourcen. In Eurasien treten Harpunen später auf (beispielsweise hinterließ die jungpaläolithische Magdalénien-Kultur um ~15 kya zahlreiche Harpunen aus Geweih mit Widerhaken zum Fischfang und zur Jagd auf Wasservögel), doch das afrikanische Beispiel zeigt einen deutlich früheren Ursprung. Eine weitere verwandte Erfindung ist der Angelhaken: Die ältesten bekannten Haken (aus Muschelschalen) stammen zwar aus einer späteren Zeit, nämlich aus Osttimor (~16–23 kya) und Okinawa, Japan (~23 kya), und veranschaulichen die unabhängige Erfindung mehrteiliger Fischfanggeräte (Haken + Schnur) durch Menschen des späten Pleistozäns.

Speerschleudern (Atlatls): Eine Speerschleuder ist ein handgehaltenes Abschussgerät, das den Arm verlängert und dadurch ermöglicht, einen Speer oder Dart mit größerer Kraft und über eine größere Entfernung zu werfen. Sie besteht gewöhnlich aus einem starren Stab mit einem hakenförmigen Ende, das in einen leichten Speer (Dart) eingreift. Dies ist ein echtes Verbundwerkzeug: Man muss sowohl die Schleuder als auch passende Darts herstellen, und häufig werden Gewichte oder Beschläge hinzugefügt. Der archäologische Nachweis von Atlatls ist schwierig, da sie oft aus Holz oder Knochen bestehen und eine einfache Form haben können. Die frühesten direkten Belege stammen aus dem europäischen Jungpaläolithikum. Geschnitzte Artefakte, die als Haken oder Griffe von Speerschleudern identifiziert wurden, sind von solutreischen Fundstellen in Frankreich, ~18–20 kya, und insbesondere aus der Magdalénien-Zeit (~15 kya) bekannt, aus der dekorative Atlatls gefunden wurden, die häufig aus Geweih geschnitzt sind und Tierdarstellungen tragen. Indirekte Hinweise legen jedoch nahe, dass Speerschleudern bereits früher existiert haben könnten. Wie erwähnt, könnte das Auftreten winziger Steinspitzen vor ~70 kya in Afrika auf mechanisch angetriebene Darts hindeuten. Für Australien haben einige Forschende argumentiert, dass bestimmte Steinspitzen aus der Zeit um ~40 kya Darts von Speerschleudern und keine Pfeile waren, da Bögen dort möglicherweise erst später verwendet wurden. Eine jüngere Untersuchung von Steinartefakten aus Le Placard (Frankreich) kam zu dem Schluss, dass einige davon vor ~17 kya mit Speerschleudern abgeschossene Darts gewesen sein könnten, wodurch der angenommene Beginn ihrer Verwendung in Europa um einige tausend Jahre zurückverlegt würde. Insgesamt ist die Chronologie zwar unklar, doch ist es wahrscheinlich, dass Homo sapiens im späten Pleistozän Speerschleudern entwickelte (weltweit vielleicht um ~30–20 kya), was Jägern einen erheblichen Reichweitenvorteil verschaffte. Dies stimmt mit Curtis Mareans Hypothese einer „zweistufigen“ Revolution der Geschosswaffen überein: zunächst steinbestückte Speere und später Speerschleudern oder Bögen zur Vergrößerung der Reichweite. Die Technologie der Speerschleuder wird wie der Bogen ausschließlich modernen Menschen zugeschrieben – es gibt keine Hinweise darauf, dass Neandertaler sie verwendeten. Tatsächlich gilt die Verbreitung von Atlatls im jungpaläolithischen Europa (wo Dutzende Artefakte und sogar Darstellungen in der Höhlenkunst existieren) nach 20 kya als ein Faktor, der am Ende der Eiszeit eine effizientere Großwildjagd ermöglichte.

Mikrolithische Verbundwerkzeuge: Eine weitere Kategorie komplexer Geräte bilden Werkzeuge, bei denen mehrere kleine scharfe Abschläge (Mikrolithen) in einen Griff geschäftet werden, um eine Schneide oder eine gezähnte Waffe zu erzeugen. Diese Innovation tritt in Afrika um ~70 kya (Howiesons-Poort-Industrie) und später weltweit auf. So wurden beispielsweise Segmente rückengestumpfter Klingen dicht nebeneinander in Schlitze geschäftet, um Schneidwerkzeuge (vergleichbar mit einer primitiven Säge oder Sichel) oder Widerhaken an Geschossen herzustellen. Obwohl es sich im Singular nicht um „Werkzeuge“ handelt, zeigen diese Verbundarrangements eine fortgeschrittene Planung – standardisierte kleine Stücke wurden hergestellt, um sie zu verschiedenen Geräten zusammenzusetzen. Ein berühmtes Beispiel ist die zusammengesetzte Speerspitze aus Border Cave, Südafrika (~44 kya), bei der mehrere winzige Abschläge mit Harz an einem Holzschaft befestigt wurden, um eine einzige tödliche Spitze zu bilden. Diese Art des modularen Designs kündigt den ingenieurhaften Ansatz späterer Technologien an.

Klebstoffe und Bindemittel: Grundlage vieler Verbundwerkzeuge ist die Verwendung von Klebstoffen und Bindungen, um Teile miteinander zu verbinden. Die Erfindung des Klebstoffs selbst ist eine komplexe technologische Leistung, durch die im Grunde ein neues Material geschaffen wird. Der älteste bekannte Klebstoff ist Birkenteer, den Neandertaler bereits vor 200.000 Jahren in Europa herstellten. Klumpen von Birkenteer mit Abdrücken von Werkzeugen wurden im Steinbruch von Campitello in Italien (~200 kya) sowie an zwei deutschen Fundstellen gefunden (Königsaue ~40 kya und möglicherweise eine frühere). Die Herstellung von Teer aus Birkenrinde schien ursprünglich ein sauerstofffreies Destillationsverfahren vorauszusetzen (das Ausheben einer Lehmgrube, das Erhitzen der Rinde usw.), was als Beleg für den Erfindungsreichtum der Neandertaler gewertet wurde. Einige jüngere Experimente legen nahe, dass auch einfachere Verfahren (das Verbrennen von Rinde in der Nähe flacher Steine) Teer erzeugen konnten, was eine Debatte darüber auslöste, wie „komplex“ der Prozess tatsächlich war. Dennoch ist das Vorhandensein von Klebstoffen an Steinwerkzeugen ein direkter Beleg für das Schäften: Neandertaler verwendeten spätestens vor 100–200 kya regelmäßig Klebstoffe, um Speerspitzen und Griffe zu befestigen. Auch zusammengesetzte Klebstoffe (Mischungen aus Teer mit Bienenwachs oder Ocker) wurden in Kontexten des Spätsteinzeitlichen H. sapiens identifiziert, was auf eine kontinuierliche Verbesserung der Klebstoffrezepturen hindeutet. Die Beherrschung von Bindematerialien (Pflanzenfasern für Schnüre, Sehnen, Riemen aus Fell) dürfte damit Hand in Hand gegangen sein und die feste Bindung von Dingen wie mehrteiligen Schlingen, Fangnetzen oder geschäfteten Steinäxten ermöglicht haben.

Wichtige Beispiele:

  • Widerhakenharpunen von Katanda (DR Kongo) – Harpunenköpfe aus Knochen, ~90 kya, Spitzen mit mehreren Widerhaken zum Fischfang.
  • Knochenspitzen mit Widerhaken (Afrika) – z. B. Blombos-Höhle ~73 kya (einteilige Spitzen, die als Speer- oder Pfeilspitzen gedient haben könnten; einige besitzen seitliche Rillen, die möglicherweise für Widerhaken bestimmt waren).
  • Früheste Speerschleudern (Europa) – geschnitzte Atlatl-Haken aus Geweih, ~20–17 kya, aus solutreischen und Magdalénien-Kulturen.
  • Atlatl-Gewichte (Amerika) – Obwohl später (archaische Kulturen Amerikas ~10 kya), zeigen sie die unabhängige Entwicklung von Verbesserungen des Speerschleuderdesigns.
  • Zusammengesetzte Mikrolithklingen – Howiesons Poort (Südafrika, 65–60 kya) und später weltweit verbreitete jungpaläolithische Industrien, die auf die Montage mehrteiliger Werkzeuge hindeuten.
  • Klebstoff aus Birkenteer (Italien) – Klebstoff an Feuersteinabschlägen, ~200 kya, ältester künstlich hergestellter Klebstoff.
  • Verbundwerkzeuge in der Höhlenkunst – So zeigt beispielsweise die Felskunst der Sahara (~8 kya) geschäftete Sicheln; europäische Höhlenmalereien (~15 kya) stellen die Verwendung von Atlatls dar und spiegeln damit die materielle Kultur wider.

Debatten: Diese anderen komplexen Werkzeuge geben häufig Anlass zu Debatten über Innovation und Diffusion. Wurden beispielsweise Knochenharpunen in Afrika und später in Europa unabhängig voneinander erfunden, oder verbreitete sich die Idee? Die afrikanischen Harpunen aus der Zeit vor 90 kya sind so früh, dass ein möglicher Einfluss nur über die viel spätere Expansion moderner Menschen vermittelt worden sein könnte. Am wahrscheinlichsten ist, dass unterschiedliche Umwelten jeweils eigene Erfindungen hervorbrachten – der Fischfang im eiszeitlichen Europa wurde erst wichtig, nachdem Menschen die für die allgemeine Speerjagd erforderlichen Fähigkeiten entwickelt hatten. Auch die Ursprünge der Speerschleuder sind umstritten: Die materiellen Belege sind in Europa am deutlichsten, doch erfanden die Menschen des Jungpaläolithikums in Europa sie, oder wurde sie aus einer anderen Region eingeführt? Da die Kulturen der australischen Aborigines in jüngerer Zeit über Speerschleudern (den Woomera) verfügten (obwohl unklar ist, wann diese übernommen wurden) und einige indirekte Hinweise aus Asien existieren, vertreten manche Anthropologen die Ansicht, dass die Speerschleuder mehr als einmal erfunden worden sein könnte. Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Abgrenzung zwischen Darts von Speerschleudern und Pfeilen – ihre Steinspitzen können einander ähneln, sodass die Unterscheidung zwischen Atlatl und Bogen in archäologischen Kontexten ohne zugehörige Bestandteile schwierig bleibt.

Schließlich hat die Rolle von Klebstoffen eine anregende Debatte über kognitive Komplexität ausgelöst. Einige Forschende argumentierten, die Herstellung von Birkenteer beweise, dass Neandertaler über komplexe, mehrstufige Planung verfügten (eine kognitiv anspruchsvolle Aufgabe) – beinahe ein geistiges Fossil des Erfindungsreichtums. Als jedoch ein einfacheres Verfahren zur Teergewinnung demonstriert wurde, argumentierten andere, dieses Wissen könnte durch Versuch und Irrtum und nicht durch umfangreiche vorausschauende Planung entdeckt worden sein. Obwohl Verbundwerkzeuge zweifellos Fähigkeiten höherer Ordnung anzeigen, untersuchen Forschende daher weiterhin, ob jeder einzelne Fall ein „modernes“ Niveau der Kognition erforderte oder durch schrittweise einfache Verbesserungen entstehen konnte. Unabhängig davon zeichnen die kumulativen Belege für mehrteilige Werkzeugtechnologien – von einer halben Million Jahre alten Griffen und Klebstoffen bis zu Zehntausende Jahre alten Bögen und Harpunen – das Bild einer stetig zunehmenden Komplexität. Diese Innovationen verdeutlichen die kreative Problemlösung des Homo bei der Bewältigung von Überlebensherausforderungen und nehmen die technologische Fülle vorweg, die mit vollständig modernen Menschen einhergehen sollte.


FAQ#

F: Was macht ein Werkzeug in archäologischer Hinsicht „komplex“?
A: Komplexe Werkzeuge umfassen mehrere Bestandteile (etwa eine Steinaxtklinge, die an einem Holzgriff geschäftet ist), anspruchsvolle Herstellungstechniken (etwa die kontrollierte Herstellung von Klebstoffen) oder mechanische Prinzipien (etwa die Speicherung elastischer Energie in Bögen). Sie gehen über einfache Steinabschläge oder handgehaltene Geräte hinaus.

F: Warum sind geschäftete Äxte aus Australien so bedeutend?
A: Die 46.000–49.000 Jahre alten australischen Äxte sind die ältesten bekannten geschäfteten Äxte der Welt und gehen vergleichbaren Werkzeugen in Afrika und Europa um Zehntausende von Jahren voraus. Dies stellt die Annahme infrage, dass komplexe Technologien stets zuerst in Afrika oder Europa entstanden.

F: Fertigten Neandertaler tatsächlich komplexe Werkzeuge an, die mit denen moderner Menschen vergleichbar sind?

A: Ja, Neandertaler fertigten anspruchsvolle Werkzeuge an, darunter Klebstoffe aus Birkenpech (vor 200.000 Jahren), Kompositspeere, feuergehärtete hölzerne Geräte und möglicherweise symbolische Artefakte. Jüngere Funde legen nahe, dass ihre kognitiven Fähigkeiten denen moderner Menschen sehr viel näher waren als früher angenommen.

F: Wie können Archäologen zwischen Pfeilspitzen und Speerspitzen unterscheiden?
A: Pfeilspitzen sind typischerweise kleiner und leichter (unter 2 cm), weisen spezifische Hochgeschwindigkeits-Aufprallfrakturen auf und zeigen häufig Rückstände der Schäftung im Zusammenhang mit Bogentechnologie. Speerspitzen sind größer, können andere Abnutzungsmuster aufweisen und werden in Kontexten gefunden, in denen die winzigen standardisierten Spitzen fehlen, die für den Bogenschuss charakteristisch sind.

F: Welche Rolle spielten Klebstoffe in der frühen Werkzeugtechnologie?
A: Klebstoffe wie Birkenpech waren für die Schäftung entscheidend – also für das Befestigen von Steinspitzen an hölzernen Schäften oder Griffen. Diese Technologie, die von Neandertalern vor 200.000 Jahren beherrscht wurde, ermöglichte die Herstellung von Kompositwerkzeugen, die weitaus wirksamer waren als allein von Hand geführte Geräte.


Quellen#

  1. Langley, Michelle C., et al. “Aegypt Universität Leipzig Archaeological Evidence for Hafted Cutting Tools in Australia.” Journal of Archaeological Science 101 (2019): 12-28.

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  8. Barham, Lawrence, et al. “Evidence for the earliest structural use of wood at least 476,000 years ago.” Nature 622 (2023): 107-111.

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