Kurzfassung
- Ein Arbeitslexikon belegter Bezeichnungen für das Schwirrholz, nach Regionen gruppiert, mit Primärquellen oder Quellen auf Museumsniveau.
- Bezeichnungen der australischen Aborigines sind häufig restricted; aufgeführt werden nur öffentliche, publizierte Formen (z. B. churinga irula, tundun). 1 2
- Im Māori bezeichnet pūrorohū das Instrument; pūrerehua (Motte) wird in der Praxis weithin als Instrumentenname verwendet. 3 4
- Papuanischer Golf (Elema/Purari): imunu viki („weinendes imunu“) und upura imunu. 5 6
- Nordamerika: Navajo tsin ndi’ni („Stöhnstab“), Apache tzi-ditindi („klingendes Holz“), Gros Ventre nakaantan („Kälte erzeugend“). 7 8 9
- Zu den europäischen Lexemen gehören das Altgriechische ῥόμβος sowie moderne Bezeichnungen aus Museumsthesauri (z. B. FR rhombe, ES bramadera, DE Schwirrholz). 10 11 12
„Das Schwirrholz zu erforschen heißt, eine Lektion in Folklore zu nehmen.“ — Andrew Lang, Custom and Myth (1884) 13
Gegenstand, Vorbehalte, Methode#
Dies ist ein Lexikon, kein Essay über die Verwendung. Vorrang gebe ich (i) indigenen Bezeichnungen und ihren Glossen in zuverlässigen Wörterbüchern, Museumskatalogen oder klassischen Ethnografien sowie (ii) weithin anerkannten sprachübergreifenden Bezeichnungen aus organologischen Thesauri für europäische Sprachen. Viele australische Bezeichnungen unterliegen einem Männergeheimnis; selbst wenn sie publiziert wurden, können Gemeinschaften Einwände gegen eine beiläufige Wiedergabe haben. Ich nehme nur Formen auf, die bereits in maßgeblichen Druckwerken oder Museumsunterlagen belegt sind, und vermeide unveröffentlichte „Listen“. 1
Bezeichnungen für das Schwirrholz nach Region und Sprache#
Legende: normal = indigene/volkssprachliche Bezeichnung; ‹…› = gebräuchliches Exonym bzw. Lehnwort; „…“ = Glosse.
| Region | Sprache / Volk | Indigene Bezeichnung(en) für das Schwirrholz | Kurze Glosse / Anmerkung | Quelle(n) |
|---|---|---|---|---|
| Ozeanien (Aotearoa/Neuseeland) | Māori | pūrorohū; außerdem pūrerehua, als Bezeichnung des Instruments verwendet | pūrorohū ist ausdrücklich als „Schwirrholz“ definiert; pūrerehua bedeutet wörtlich „Motte/Schmetterling“ und wird häufig für das geschwungene Instrument verwendet | Te Aka Māori Dictionary (pūrorohū); Te Aka (pūrerehua); Hinweis zum Gebrauch durch Praktizierende. 3 4 (Bullroarer Atlas: Māori pūrorohū) |
| Ozeanien (Papua-Neuguinea, Papuanischer Golf) | Elema / Purari (Namau usw.) | imunu viki; upura imunu (auch irimunu-viki geschrieben) | „weinendes imunu“ (rituelles Bestattungsinstrument); „Schwirrholz“ als Untertyp von imunu | Beschreibung der Pairama-Zeremonie; Katalog des The Met (Bullroarer (Imunu Viki?)); Objekthinweis des Horniman; regionale Zusammenfassung. 5 6 14 15 (Bullroarer Atlas: Namau imunu viki) |
| Australien (Zentrum: Aranda/Arrernte und Nachbargruppen) | Aranda/Arrernte (sowie Ilpirra usw.) | churinga irula (hölzerne Churinga, d. h. Schwirrholz); churinga unchima (kleine, abgerundete „Eierform“); namatuna / namatwinna (Schwirrholz für Initianden) | „Churinga (oder Tjurunga)“ = heiliger Gegenstand; die hölzerne Form irula ist das Schwirrholz; namatuna/-winna sind kleine Schwirrhölzer, die von Novizen verwendet werden | Spencer & Gillen, Native Tribes of Central Australia (Kap. V); Glossar indigener Bezeichnungen; sekundäre Zusammenfassung zu namatuna/-winna. 2 16 (Bullroarer Atlas: Arunta/Arrernte churinga) |
| Australien (Südosten: Kurnai / Gunaikurnai) | Kurnai | tundun (in frühen Quellen auch turndun geschrieben) | Rituelles Schwirrholz der Jeraeil; in der Diffusionsliteratur häufig zitiert | Spencer & Gillens Erörterung des Kurnai-tundun. 2 (Bullroarer Atlas: Kurnai tundun) |
| Australien (Lake Eyre – äußerster Norden von South Australia) | Urabunna | chimbaliri | Laut klassischem Glossar das Äquivalent zur Aranda-Bezeichnung churinga (Klasse von Schwirrhölzern) | Glossareintrag bei Spencer & Gillen. 17 |
| Westafrika (Südwestnigeria) | Yoruba | oro (òró) | Im Yoruba bezeichnet oro sowohl den Kult bzw. die Gottheit als auch konkret das von der Òró-Gesellschaft verwendete Schwirrholz-Instrument | Veröffentlichung der University of Ibadan, in der oro ausdrücklich als „Schwirrholz“ glossiert wird. 18 (Bullroarer Atlas: Yoruba Oro) |
| Alter Mittelmeerraum | Altgriechisch | ῥόμβος (rhómbos) | Die kanonische antike Bezeichnung („rhombos“) für das Schwirrholz in Mysterienriten | Britannica-Eintrag „Rhombos“. 10 (Bullroarer Atlas: Ancient Greek rhombos) |
| Nordamerika (Südwesten der USA) | Navajo (Diné) | tsin ndi’ni (ältere Orthografie; „Stöhnstab“) | Zeremonielles Instrument; klassisch lexikografisch belegt | An Ethnologic Dictionary of the Navaho Language (Franciscan Fathers, 1910); Erläuterung in zeremoniellen Aufzeichnungen der Navajo. 7 19 (Bullroarer Atlas: Navajo tsin-di’ni) |
| Nordamerika (Südwesten der USA) | Apache | tzi-ditindi („klingendes Holz“) | Gut belegte Apache-Bezeichnung; erscheint auf ethnologischen Tafeln des Smithsonian aus dem 19. Jahrhundert und in modernen Museumskatalogen | Objektseite des The Met; Tafel des Smithsonian (über den Quellenhinweis bei Wikimedia). 8 20 (Bullroarer Atlas: Apache tzi-ditindi) |
| Nordamerika (Prärien) | Gros Ventre (A’ani) | nakaantan („Kälte erzeugend“) | Bezeichnung und Glosse in einer frühen Monografie des AMNH aufgezeichnet | Kroeber, Ethnology of the Gros Ventre (AMNH). 9 |
| Gesamteuropäischer Raum (moderne Bezeichnungen aus Museumsthesauri) | Baskisch | burruna; furrunfarra; furrufarra; burrunbagailua | Standardisierte Bezeichnungen im Instrumententhesaurus MIMO | MIMO-Thesaurus, Begriff „Bullroarer“. 11 |
| Katalanisch | brunzidor | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Chinesisch (zh) | 牛吼标 | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Niederländisch | snorrebot | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Französisch | rhombe | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Deutsch | Schwirrholz | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Italienisch | rombo | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Koreanisch | 불로러 (phonetisches Lehnwort) | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Polnisch | czurynga (Lehnwort über churinga) | MIMO-Thesaurus. 11 | ||
| Spanisch | bramadera | Wird auch allgemein für „Summ- bzw. Brumminstrument“ verwendet | MIMO-Thesaurus; WordReference-Eintrag. 11 12 | |
| Schwedisch | vinare | MIMO-Thesaurus. 11 |
Anmerkungen:
• Die Orthografien folgen der jeweils zitierten Quelle (ältere Schreibweisen werden beibehalten, wenn dies die belegte Form ist).
• In mehreren Traditionen bezeichnet dasselbe Lexem sowohl das Instrument als auch einen Geist bzw. eine Kraft (z. B. Yoruba Oro; Aranda churinga als Klasse heiliger Gegenstände). 18 2
Kurze Erörterung (warum sich diese Bezeichnungen auf bestimmte Weise häufen)#
Über voneinander unabhängige Sprachfamilien hinweg konvergieren die Benennungsstrategien auf drei Motive: Klang („surren/brüllen“: brunzidor, rhombe, Schwirrholz, tsin ndi’ni „ächzend“), Form bzw. Rotation (ῥόμβος „wirbelnd“) und sacred agency (der Elema-Komplex imunu; Yoruba Oro). Wo Geheimhaltungsnormen besonders stark sind (Südost- und Zentralaustralien), sind öffentliche Bezeichnungen häufig generische Kategorien (z. B. churinga irula „hölzerne Churinga“) statt eines frei verwendbaren Lexems für das Schwirrholz selbst. 10 5 1
Lücken und nächste Schritte#
Diese Liste ist bereits lang, aber nicht vollständig. Klassische Überblicksdarstellungen (z. B. Zerries zu Südamerika) tragen zahlreiche amazonische Bezeichnungen zusammen; ich werde sie einarbeiten, sobald ich Schreibweisen und Glossen anhand von Primärquellen und Museumskatalogen überprüft habe. Wenn Sie eine von einer Gemeinschaft gebilligte Bezeichnung kennen, die wir hinzufügen sollten, schreiben Sie mir eine E-Mail. 21
FAQ#
F1. Ist pūrerehua die „richtige“ Bezeichnung für das Māori-Schwirrholz, oder sollte ich pūrorohū verwenden?
A. Pūrorohū ist ausdrücklich als Schwirrholz definiert; pūrerehua (Motte) wird von Spielerinnen und Spielern von taonga-pūoro in der Praxis weithin als Instrumentenname verwendet – beide Formen erscheinen in angesehenen Quellen. Verwenden Sie in technischen Kontexten pūrorohū; pūrerehua ist in Aufführungsnotizen akzeptabel. 3 4
F2. Bedeutet churinga „Schwirrholz“?
A. Nicht genau: churinga (Arrernte) bezeichnet eine Klasse heiliger Gegenstände (aus Stein oder Holz); die hölzerne Form (churinga irula) dient als Schwirrholz, und kleine namatuna/‑winna sind Schwirrhölzer für Initianden. Der Kontext ist entscheidend. 2 16
F3. Wie lautet die papuanische Bezeichnung, die alle als „weinendes imunu“ zitieren?
A. Imunu viki („weinendes imunu“) – ein funeräres bzw. rituelles Schwirrholz im Purari-Delta; upura imunu ist in diesem System der generische Untertyp des Schwirrholzes. 5
F4. Ist bramadera ein standardsprachliches Spanisch?
A. Ja, die Bezeichnung ist in Instrumentenwörterbüchern und modernen zweisprachigen Lexika dokumentiert; der Gebrauch variiert je nach Land, doch allgemein ist sie die maßgebliche Bezeichnung. 12
Fußnoten#
Quellen#
- The Bullroarer: An Interactive World Atlas — für die Einträge zu Māori pūrorohū, Namau imunu viki, Arunta/Arrernte churinga, Kurnai tundun, Yoruba Oro, Altgriechisch rhombos, Navajo tsin-di’ni und Apache tzi-ditindi mit diesem Lexikon abgeglichen.
- MIMO Thesaurus of Musical Instrument Names — Begriff “Bullroarer” (fremdsprachige Bezeichnungen auf Baskisch, Katalanisch, Chinesisch, Niederländisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Koreanisch, Polnisch, Spanisch und Schwedisch). 11
- Te Aka Māori Dictionary — Einträge für pūrorohū (Schwirrholz) und pūrerehua (Motte; häufig als Instrumentenname verwendet). 3
- Middle-C (Konzertnotizen): “Purerehua (swung bull-roarer)” — modernes Gebrauchsbeispiel aus der Aufführungspraxis von taonga-pūoro. 4
- The Metropolitan Museum of Art — “Bullroarer (Imunu Viki?)” (Papuanischer Golf). 6
- Horniman Museum — 14.62, “Whirling aerophones” (papuanische imunu-Kontexte). 14
- JSTOR — The Pairama Ceremony in the Purari Delta, Papua (Taxonomie einschließlich upura imunu, imunu-viki). 5
- Spencer & Gillen (1899) The Native Tribes of Central Australia — Kap. V “The Churinga or Bull-Roarers…,” und Glossar. (Spiegelung bei Sacred-Texts; PDF bei Archive.org; sekundäre Erörterung von namatuna/-winna). 2 16
- University of Ibadan-E-Publikation — „Music and Rituals of Oro among the Yoruba“ (explizite Glosse von oro als Schwirrholz). 18
- Britannica — „Rhombos | musical instrument“ (altgriechischer Begriff). 10
- Franciscan Fathers (1910), An Ethnologic Dictionary of the Navaho Language (PDF; tsin ndi’ni „Stöhnstab“). 7
- Met Museum — „Tzi-Ditindi (bull-roarer reproduction)“ (Apache). 8
- Wikimedia-Dateihinweis — Bildtafelnachweis zum 9th BAE Report des Smithsonian („tzi-ditindi“). 20
- Kroeber (1908), Ethnology of the Gros Ventre (AMNH; nakaantan „Kälte erzeugend“). 9
Hinweise für eine weitere Ausarbeitung: Zerries, Otto (1953), „The Bull-roarer among South American Indians“ (Revista do Museu Paulista N.S. 7:275–309) — umfassende südamerikanische Übersicht, die nach weiteren Lexemen durchgesehen werden sollte. 21